Ist ein organspendender Körper wirklich tot? Was geschieht hinter den Kulissen eines Hospizes? Was kann ein Tatortfotograf berichten? Hilft ein Tattoo bei der Bewältigung von Trauer?

 

Diese und andere Fragen werden am 25./26. Mai an der Universität Passau aufgegriffen – und zwar im Rahmen unserer Tagung zu 

»Körper – Wissen – Tod«!

 

Teilnehmer erwartet ein hochkarätiges Line-Up mit namhaften ExpertInnen, organisiert von Thorsten Benkel und Matthias Meitzler.

 

Nähere Informationen finden sich im Flyer und hier. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


REZENSION

Ulrich Volp (Hg., 2016): Tod. Tübingen: Mohr Siebeck.

 

Das Thema Tod wird in der vorliegenden Neuerscheinung, deren Herausgabe Ulrich Volp besorgt hat, aus theologischer und ethischer Sicht behandelt. Ein zentraler Aspekt ist der – kulturhistorisch immer wieder thematisierte und umstrittene – Aspekt der Endlichkeitsaussicht, die den Menschen kennzeichnet: »So oder so kann das Leben und die Art, wie es zu gestalten ist, nicht unbeeinflusst bleiben von der eingehenden Betrachtung seiner Endlichkeit.« Angesichts dieser Gewissheit stellt sich die Frage nach stabilen, den sozialen Wandel unbeschadet überstehenden Leitlinien, die das (ja nun auch und gerade psychologische) Endlichkeitsschicksal zumindest mindern. Religiöse Angebote gibt es diesbezüglich reichlich, und in dieser Vielfalt liegt denn auch ein Problem: »In den biblischen und kirchengeschichtlichen Quellen begegnet uns ein außerordentlich vielfältiges und vielschichtiges Bild, und auch in der Gegenwart gibt es keinen Konsens über den richtigen evangeliumsmäßigen Umgang mit dem Tod.«

 

Angebote hängen auch auf dem transzendentalen Markt mit der Nachfrage zusammen. Wenn säkulare Trauerfeiern »oft bis in kleinste Detail hinein« den konfessionellen Ritualen ähneln, wie der Herausgeber gleich zu Beginn des Sammelbandes betont, so wiegt eben doch der Unterschied schwerer – der dezidierte Wunsch der Hinterbliebenen nämlich, vielleicht auch der Verstorbenen zu Lebzeiten, das Ritual anders auszuflaggen. Gerade dies wiederum macht den christlichen Umgang mit dem Tod in buchstäblicher Weise fragwürdig – welche Bedeutung kommt ihm heute noch zu? Interessierten wird eine große Bandbreite detaillierter Betrachtungen geboten. Thematisiert werden u.a. biblische Aspekte von Sterben und Tod, altorientalische Konzepte, die antike Ars moriendi, die Idee des ewigen Lebens, Fragen der auf den Tod bezogenen theologischen Ethik und die zeitgenössische Bestattungskultur.

 

Gerade in den gegenwärtigen Zeiten, in denen Religion so weit von einer Hegemonialstellung als Naturerklärungsinstanz entfernt ist wie wohl noch nie zuvor, ist es reizvoll, sich im Kontext der Beiträge auf eine Reise durch die eben doch theologische Perspektive auf das Phänomen Tod (mitsamt Sterben, Trauer usw.) einzulassen. Denn hier werden Sichtweisen und durchaus auch Argumente dafür aufgeboten, weshalb das Lebensende sich schlechterdings nicht völlig säkular betrachten lässt. Streiten kann man darüber trefflich – aber zum Streiten braucht man brauchbares Gedankenfutter, und dies wird in Volps Sammelband geboten.


Grabstein des Monats

Mai 2018

 

Eine namen­lose Frau, der­maßen un­be­klei­det, dass sie nicht ein­mal über ein Ge­sicht ver­fügt; ihre makel­lose Figur an­ge­deu­tet in we­ni­gen Strichen; ihre Iden­ti­tät re­du­ziert auf hand­ge­fer­tigte Kon­tu­ren aus leb­losem Mate­rial. Es geht hier weder um eine Strand­sze­ne­rie, noch um Maga­zine aus der ober­sten Reihe im Zeit­schrif­ten­regal – son­dern, natür­lich, um den Grab­stein des Monats.

 

Kör­per­figu­ren am Grab sind auf­merk­samen Leser­Innen die­ser Rubrik ein ver­trau­ter An­blick. Dass die Bestat­tungs­kultur längst Leib­lich­keiten auf­bietet, die aus dem Dar­stel­lungs­kanon mit ver­trau­ten reli­giö­sen Prota­gonis­ten fallen, kann auf vielen Fried­höfen im deutsch­sprachi­gen Raum bezeugt wer­den. Aber es muss denn gleich eine nackte Frau sein? Die Ant­wort lautet offen­kun­dig ja, und das hier gezeigte Bei­spiel gehört noch zu den abstrak­teren, zu den­jenigen Versio­nen des Kern­motivs also, die die näheren Details aus­sparen. Wir hät­ten Ihnen an dieser Stelle auch Grab­stätten zeigen kön­nen, die der Fan­tasie weit weni­ger Spiel­raum lassen.

 

Mit ande­ren Wor­ten: eine spezi­fische Idee lässt sich auf viel­fache Weise zum Aus­druck brin­gen. Sub­til, plaka­tiv oder andeu­tungs­voll – von allen Varian­ten gibt es Reali­sie­rungen, hier und da wird darum ge­strit­ten, und alle­mal darf gerät­selt wer­den, was die ver­steckte Bedeu­tung sein mag, die für gewöhn­lich der Grab­stein nicht ver­rät – und die es den­noch gibt?


AKTUELLES DRITTMITTELPROJEKT:

 

»Die Pluralisierung des Sepulkralen«

Empirisches Forschungsprojekt an der Universität Passau

 

Der Tod eines nahe­stehenden Men­schen führt in der Lebens­welt seiner Ange­hörigen meist zu heftigen Erschütte­rungen. Dabei wird der Verlust mit emotio­nalen Reaktionen beant­wortet, in erster Linie mit Trauer. Die Sozio­logie versteht Trauer als Kultur­produkt, das nicht unab­hängig von sozia­len Normen, Werten und Deutungs­mustern gedacht wer­den kann. Im so­ziologischen Fokus steht darum die Gemeinschaft, die den Verlust eines Mit­gliedes zu bewältigen hat. Die genau­ere Betrach­tung zeigt: Der Tod ist nicht nur eine biolo­gische, sondern auch und vor allem eine soziale Tatsache – und mit Trauer verbun­den ist immer auch das An­denken und Erinnern sozialer Verhältnisse.

 

Die Art und Weise, wie Menschen sterben, wie sie bestattet, betrauert und erinnert werden unterliegt dem gesell­schaftlichen Wandel und lässt sich längst nicht mehr ver­bind­lich bestimmen. So viel­schichtig wie die einzelnen Lebens­entwürfe heutzu­tage sind, so facetten­reich ist auch der Um­gang mit dem Lebens­ende ge­worden. Dabei lässt sich eine all­mäh­liche Los­lösung von traditio­nellen Kon­zepten beob­achten. Das Suchen und Finden von eigenen Trauer­stra­te­gien, die sich sowohl hinter, als auch auf den Ku­lis­­sen der Öffent­lich­keit abspielen kön­nen, gehört zu den Anfor­derungen in der modernen Gesell­schaft. Mit dem Schwin­den von 

von sozialer Kontrolle wächst der individuelle Entscheidungsspielraum - und mit ihm mehren sich die Möglichkeiten, ein autonomes Trauerverhalten darzulegen. 

 

Aufbauend auf theoretische und empi­rische Vorarbeiten zum Kontext Tod und Ge­sell­schaft und zum Wandel der Bestattungs­kultur nimmt das Projekt eine Soziologie der Trauer in den Fokus. Mit qualitativen Metho­den der empiri­schen Sozial­forschung wer­den die Ausdrucks­weisen von und die Umgangs­weisen mit Trauer vor dem Hinter­grund der Plurali­sierung von Sinnan­geboten und angesichts der Individuali­sierung unter­sucht. Dabei werden u.a. folgende Fragen berührt:

 

  • Durch welche Praktiken drückt sich Trauer aus und welche Funk­tion erfüllt sie?
  • Inwiefern unterliegen Trauer­handlungen der sozialen Kon­trolle, inwiefern gibt es Gestaltungs­frei­räume?
  • Welche Bedeutung haben Räum­lichkeit, Materia­lität und Körper­lichkeit im Zu­sam­menhang mit Trauer­?
  • Welche Bedeutung kommt dem Friedhof als Ort von Trauer und Erinnerung in der modernen Gesellschaft zu? In welchem Verhältnis steht er zu alternativen Räu­men der Trauer (z. B. dem Internet)?

 

Auch Sie können unsere Forschung unter­stützen. Gerne würden wir mit Ihnen über Ihre Erfah­rungen und An­sichten zur Sterbe-, Bestattungs- und Trauer­kultur sprechen. Auf diese Weise können wir soziale Verände­rungen, neue Strö­mungen und Probleme im Kontext von Tod und Gesell­schaft ermitteln. Sie können gerne selbst entschei­den, ob Sie ein Telefon­gespräch, eine per­sön­liche Unter­haltung oder eine schriftliche Be­fragung bevor­zu­gen, und Sie können ebenfalls entscheiden, wie lange, zu welchen Inhal­ten und ggf. wo Sie sich mit uns unter­hal­ten möchten. Selbst­ver­ständlich sichern wir Ihnen Dis­kretion und vollständige Anonymi­tät zu. Mit Ihrer Unter­stützung würden Sie einen bedeut­samen Erkenntnis­gewinn leisten, denn ohne Ihre Mit­wirkung ist eine Ergrün­dung dieses wichtigen gesellschaft­lichen Themas nicht möglich. Zu unseren Kontakt­daten gelangen Sie hier.


Herz­lich will­kom­men auf der Seite fried­hofs­so­zio­lo­gie.de! Sie fin­den hier eine Do­ku­men­ta­tion un­se­rer so­zial­wis­sen­schaft­lichen For­schungs­ar­beit. Wir sind So­zio­lo­gen, die seit mehreren Jahren die Ver­bin­dung von Tod und Ge­sell­schaft un­ter­suchen und – ne­ben vie­lem an­de­ren – zu die­sem Zweck auch den Fried­hof un­ter die Lu­pe neh­men. Auf die­ser Seite, die stän­dig aus­ge­baut wird, möch­ten wir einen Ein­blick in un­se­re Ar­beit bie­ten. Da­zu ge­hört ne­ben ver­schie­de­nen Ele­men­ten der em­pi­ri­schen So­zial­for­schung (Feld­for­schung, In­ter­views, Do­ku­men­ten­ana­lyse) ins­be­son­de­re die Do­ku­men­tation, Ka­ta­lo­gi­sie­rung und Ana­lyse von Bild­ma­te­rial. Un­se­re Pro­jekt­archiv be­her­bergt ge­gen­wär­tig über 61.000 Fo­tos von über 1.050 Fried­höfen, von de­nen wir Ihnen hier re­gel­mäßig ei­ni­ge Bei­spie­le vor­stel­len. Wir hof­fen, dass un­se­re Seite für Sie in­ter­es­san­te Ein­blicke be­reit hält.