Das Neueste: Am 16. Novem­ber sprachen wir über den Tod im Zeit­alter der Digita­li­sie­rung bei Micro­soft in München (im Rah­men der Veran­stal­tung »Digina 17«).

Wir führen aktuell eine Online-Umfrage zu Ihren Meinungen gegenüber Sterben, Tod und Trauer durch! (Natürlich vollkommen anonym.)

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Letztes Update dieser Seite:

17. November 2017

Grabstein des Monats

Oktober 2017

 

Passend zum Oktober: Ein etwas verspäteter Gruß von der Wiesn. O‘zapft is!

Grabstein des Monats

September 2017

 

Musik ist auf dem Fried­hof immer häu­fi­ger im Spiel. Vor allem die klas­si­schen In­stru­men­te und For­men fin­den auf dem Toten­acker zu­neh­mend stei­ner­ne und bild­haf­te Re­prä­sen­ta­tio­nen. Neben der per­sön­lichen Be­deu­tung, die die Musik für die ein­zel­nen Le­bens­wel­ten der Ver­stor­be­nen ge­habt haben mag, wei­sen mu­si­ka­lische Re­fe­ren­zen noch einen weite­ren Vor­teil auf: Musik ist eine Facette, die – an­ders als etwa die Reli­­gion und ent­sprechen­de Sym­bo­le – als eine aus­schließ­liche po­si­ti­ve Kul­tur­leis­tung gilt. Ganz gleich, ob es um E-­Dur, c-­Moll oder um Musik ganz ohne Ton­­art geht!

Grabstein des Monats

August 2017

 

Dass der Friedhof Geschichten erzählt, ist sicher nichts Ungewöhnliches. Diesen Ruf hat er nicht nur den modernen Gräbern zu verdanken, die auf unterschiedliche Weise aus den etablierten Traditionen heraustreten, sondern natürlich auch den älteren Ruhestätten, die schon seit etlichen Jahrzehnten bestehen. Zu dieser Kategorie zählt auch unser aktueller Grabstein des Monats: Auf den Friedhöfen vieler Küstenstädte finden sich heute noch gut erhaltene (oder zwischendurch restaurierte) Grabmahle von Seefahrern. Schnell merkt man, dass solche maritimen Denkmäler nicht eben schweigsam, sondern geradezu geschwätzig daherkommen und bisweilen recht abenteuerliche Geschichten parat halten. So auch in diesem Fall: Man sichtet nicht nur Geburts- und Sterbedatum sowie das schon fast obligatorische Schiff, sondern erfährt obendrein einiges über den Lebenslauf des hier zur letzten Ruhe gebetteten Kapitäns. Sein Stein berichtet von Schiffsreisen an die Westküste Südamerikas, nach Mexiko und Australien, von der Gefangenschaft nach dem ersten Weltkrieg – und von der Heimkehr zu Gattin und Kindern. In Zeiten, in denen die Urnenbeisetzung im Meer nicht nur für Seeleute, sondern auch für Landratten zur populären Alternative geworden ist, verleihen derartige Grabsteine, die unter Denkmalschutz stehen und für die auch Patenschaften übernommen werden können, dem Friedhof hohen kulturhistorischen Wert. Sie sind Zeugen individueller Schicksale und geben zugleich Auskunft über regionale Besonderheiten. 

Grabstein des Monats

Juli 2017

 

Anstelle der individualisierten Grabgestaltungen, die Sie sonst an dieser Stelle bestaunen können, ist unser Grabstein des Monats Juli verhältnismäßig spartanisch. Lediglich die Namen der Verstorbenen und ihre Lebensdaten sind zu sehen; weitere Details werden nicht genannt. Wer weiß, womöglich wird dieser Reduktionismus die Wandlungstendenzen in der Bestattungskultur als »klassisches« Konzept überdauern? Denkbar ist auch, dass das schlichte Design irgendwann eine Renaissance erfährt und zum wiedergeborenen Trend wird. Gleichwohl ist es nicht unwahrscheinlich, dass dieses Modell in einiger Zeit eher zu den älteren Gestaltungsvarianten gezählt werden wird – gerade deshalb, weil es nicht berichtet, wer hier liegt und welche Lebensleistungen sich mit den gezeigten Namen verbinden lassen. Wer weiß, vielleicht war Herr Bourdieu sogar ein berühmter Wissenschaftler? Das wird den Friedhofsspaziergängern, die die Muse finden, kurz an seiner Ruhestätte inne zu halten, nicht verraten.

Grabstein des Monats

Juni 2017

 

Für unse­ren aktuel­len Grab­stein des Monats wagen wir uns in die Höhle des Löwen! Denn nicht nur in der fer­nen afri­ka­ni­schen Step­pe oder im etwas näher ge­le­ge­nen Zoo kann man den ›König der Tiere‹ be­stau­nen – auch auf dem Fried­hof ist er ein gern ge­sehe­ner Gast, der unter allen Tier­gat­tun­gen, die man hier in Stein ver­ewigt fin­det, buch­stäb­lich einen Löwen­an­teil aus­macht. So unter­schied­lich Lebens­weisen heute sind, so un­ter­schied­lich ist auch die Be­deu­tung die dem Löwen an die­sem Ort zu­kom­men kann. Ob als Fabel­wesen, Stern­zeichen, Kino­held, Wap­pen­tier, als Ver­kör­pe­rung eines Sehn­suchts­ortes oder schlicht­weg als Sym­bol für mensch­liche Attri­bute (Tap­fer­keit, Wil­lens­kraft, Macht, Selbst­be­wusst­sein etc.) – solche Dar­stel­lungs­varian­ten ver­raten etwas über den­jeni­gen, der hier seine ›letzte Ruhe‹ ge­fun­den hat.

Grabstein des Monats

Mai 2017

 

Ge­ne­ra­tio­nen­un­ter­schie­de las­sen sich nicht nur aus Jah­res­zah­len, son­dern auch von Sym­bo­len ab­lei­ten. Un­ser Bei­spiel zeigt die – gar nicht so sel­te­ne – Ten­denz, ne­ben den Na­men und die Le­bens­da­ten ein Zeichen bzw. eine Ab­bil­dung zu plat­zie­ren, die einer­seits die Per­sön­lich­keit der Ver­stor­be­nen sinn­bild­lich ver­deut­lichen. An­de­rer­seits han­delt es sich um eine Stra­te­gie, die auf kom­pak­te Weise Un­ter­schie­de zwi­schen »Le­bens­füh­rungs­pro­ze­du­ren« her­vor he­ben: wäh­rend bei Va­ter und Mut­ter Eisen­bahn und Woll­knäuel noch für tra­di­tio­nel­le, auch ge­schlech­ter­typi­sche Frei­zeit­be­schäf­ti­gun­gen ste­hen, ist der eben­falls hier be­er­dig­te Sohn durch die Kap­pe ge­kenn­zeich­net. Sie ist we­ni­ger spe­zi­fisch, son­dern viel­mehr ein Sym­bol von Ju­gend­lich­keit schlecht­hin – Rai­ner war, so scheint der Grab­stein zu be­sa­gen, auch mit 64 Jahren vor al­lem dies: ein Sohn.

Grabstein des Monats

April 2017

 

Dreidimensionale Darstellungen von Körpern fehlen auf kaum einem Friedhof. Im Gegenteil: gerade sie sind es doch, die zur friedhofstypischen Atmosphäre wesentlich beitragen. Traditionell handelt es sich um imposante Engel-, Maria- oder Jesusfiguren, die beinahe majestätisch auf den Gräbern thronen. Während derartige Werke in erster Linie stilisierten, ästhetischen und symbolischen Konzepten folgen, sind es heute zunehmend auch die Verstorbenen selber, die an ihrer Ruhestätte als Denkmal aus Stein, Bronze, Messing etc. erscheinen. Im Vergleich zu ihren klassischen Vorläufern fallen viele von ihnen durch eine erstaunliche Lebendigkeits- und Alltagsnähe auf. Der Tote wird so gezeigt, wie sich seine Hinterbliebenen an ihn erinnern wollen, etwa in bestimmter Kleidung, in einer bestimmten Pose und/oder mit einem bestimmten Gesichtsausdruck. Dank seines lebensgroßen Abbildes  kann man so manchem Verschiedenen buchstäblich auf Augenhöhe begegnen – wie auch im vorliegenden Fall: ein freundlich dreinblickender Herr mit Mütze, Getränk und Zigarette. Solche mitunter recht aufwändigen Körperinszenierungen verleihen der letzten Ruhestätte Individualität und Wiedererkennungswert. Zugleich geht damit ein interessanter Trend einher: Der Verstorbene wird dort als Lebendiger dargestellt, wo sein Leichnam bestattet wurde. Man kann hierbei zwischen zwei Körpern des Toten unterscheiden: einem ersten Körper, womit die am Grab unsichtbar gemachte Leiche gemeint ist, und einem zweiten Körper, nämlich dem Körper der Erinnerung an eine lebendige Person.

Grabstein des Monats

März 2017

 

Die Berge und die See – be­lieb­te Na­tur­land­schaf­ten im Leben, und mitt­ler­weile auch nach dem Tod. Die Zu­sam­men­stel­lung wirkt auf den ers­ten Blick un­ge­wöhn­lich, zu­mal nach dem Berg­gip­fel nicht schlicht­weg Wel­len­gang, son­dern ein aus­ge­wach­se­ner Wal zu sehen ist. Für ge­wöhn­lich ist er eher unter Was­ser an­zu­tref­fen, um der Dar­stel­lung wil­len sehen wir ihn hier aber ober­halb. Die Gra­vur folgt jenen Trends, die auf dieser Web­seite be­reits seit Jah­ren ver­folgt wer­den: Sä­ku­la­re Sym­bo­le und Mo­ti­ve lösen re­li­giö­se ab; an­stel­le des Jen­seits­aus­blicks er­folgt ein Rück­blick auf Le­bens­leis­tun­gen und -ein­stel­lun­gen; und der "Grab­text" wird somit ge­ne­rell in­di­vi­duel­ler und per­sön­licher. Wer den Ver­stor­be­nen gut kannte, wird die Ver­bin­dung zwi­schen Berg, Wal und Bio­gra­fie iden­ti­fi­zie­ren kön­nen; und wem dies nicht gelingt, der kann nur er­ahnen, dass eine solche Ver­bin­dung besteht.

Grabstein des Monats

Februar 2017

 

Längst ist auf dem Fried­hof der Über­sichts­plan nicht mehr die ein­zige Kar­te, die man be­stau­nen kann! Wie unser ak­tuel­ler Grab­stein des Monats be­weist, kann man sich auch nach seinem Ab­le­ben noch in die Kar­ten schauen las­sen. Tat­säch­lich nimmt die Spiel­karte unter den be­lieb­tes­ten Grab­mo­ti­ven zu. Das er­scheint plau­si­bel, be­denkt man, dass mit dem Kar­ten­spiel nicht nur eine frü­he­re Pas­sion an­ge­sprochen wird, son­dern dass es durchaus als Sinn­bild des Le­bens fun­giert: Mal hat man bes­se­re und mal schlech­te­re Kar­ten, mal muss man was ris­kie­ren und alles auf eine Kar­te set­zen – und selbst wenn so mancher Traum zu­sam­men­fällt wie ein Kar­ten­haus, hat man bis­wei­len noch ein Ass im Är­mel. 

Grabstein des Monats

Januar 2017

 

Wir wün­schen un­se­ren Le­se­rin­nen und Le­sern ein schö­nes neues Jahr – mit spit­zer Fe­der und Schreib­tisch­un­ter­lage im An­schlag! Un­ser Grab­stein des Mo­nats prä­sen­tiert Uten­si­lien, die in Zei­ten der Tas­ta­tur nicht mehr ganz all­täg­lich sind. Über­le­bens­groß und den­noch ge­wis­ser­maßen rea­lis­tisch ge­stal­tet pran­gen sie am Gra­be eines Ehe­paares, dem ein ver­gleichs­weise lan­ges Le­ben ver­gönnt war. Ob es einer schrift­stel­le­ri­schen Tätig­keit ge­wid­met war, ob die bei­den pas­sio­nier­te Brie­fe­schrei­ber wa­ren, oder ob ein an­de­rer Kon­text hin­ter die­ser Ge­stal­tungs­va­rian­te steckt, lässt sich nicht sa­gen. Aber ein­mal mehr zeigt sich, dass mo­der­ne Grä­ber im­mer häu­fi­ger ein De­sign auf­wei­sen, das vom Ka­non der tra­di­tio­nel­len Dar­stel­lun­gen ab­weicht – und das da­mit einer Ruhe­stät­te Ein­zig­ar­tig­keit ver­leiht, selbst dann, wenn – wie hier – die ein­ge­bau­te Ver­satz­stücke an sich noch nicht sehr in­di­vi­duell da­her kom­men.

Grabstein des Monats

Dezember 2016

 

Weiße Weih­nach­ten dieses Jahr? Das steht noch in den Ster­nen! Aber zu­min­dest auf die­sem Grab­stein fal­len schon ein­mal die ers­ten Flocken. Auch wenn das Rodeln auf den meisten Fried­höfen nicht erlaubt ist, zeigt sich gerade an die­sem Ort, dass die per­sön­lichen Vor­lie­ben der Ver­stor­be­nen alles an­de­re als Schnee von ges­tern sind, son­dern bis in die Ge­gen­wart – und mit­un­ter weit da­rüber hin­aus – prä­sent ge­hal­ten wer­den. Hier wird mög­licher­weise einer Zu­nei­gung zur weißen Pracht Aus­druck ver­lie­hen, viel­leicht wer­den die Eis­kri­stal­le aber auch als ästhe­tische Zeichen für mensch­liche Eigen­schaf­ten ver­stan­den: In­di­vi­dua­li­tät und Ver­gäng­lich­keit.

Grabstein des Monats

November 2016

 

Zu den eher ge­läu­fi­gen Metap­hern der Kul­tur­­ge­schichte des Todes ge­hört der Ver­gleich des Le­bens mit einem Spiel oder einem Kon­kur­renz­kampf, den nicht jeder ge­winnen kann. Ent­sprechen­de bil­der­sprach­liche Dar­stel­lun­gen säu­men auch und ge­ra­de die Grab­stät­ten, die ge­gen­wär­tig an­ge­legt wer­den; denn Spie­len und spie­le­ri­sche Ele­men­te sind auch in den Le­bens­wel­ten im­mer ver­brei­te­ter, wes­halb soll­ten sie dann nicht auch im Tod re­prä­sen­­tiert sein?

Das Schach­spiel stellt vor die­sem Hin­ter­grund eine be­son­dere inter­es­sante Varian­te dar, han­delt es sich doch um ein kom­ple­xes, in un­end­lichen Spiel­zügen durch­führ­bares und eher als in­tel­lek­tuell gel­ten­des Frei­zeit­ver­gnü­gen mit durch­aus sport­lichen Im­pli­ka­tio­nen. Wir sehen hier eine An­ord­nung, bei der der schwar­ze Turm vom weißen Sprin­ger un­mit­tel­bar be­droht ist – eine Ab­bil­dung, die etwas über die Le­bens- oder Todes­um­stän­de der/­des Ver­stor­be­nen mit­tei­len will, oder eine rein ästhe­tische Dar­stel­lung? Das bleibt im Dun­keln. Klar je­doch ist, dass das Schach­feld und sei­ne Fi­gu­ren dem Stein eine eigen­wil­lige Note ver­lei­hen, die sich auf ver­schie­dene Weise mit dem Ver­hält­nis von Leben und Tod ver­knüp­fen lässt. Ster­ben als Schach­matt be­grei­fen ist nur eine davon.

Grabstein des Monats

Oktober 2016

 

»Narren­hände be­schmie­ren Tisch und Wände«, sagt der Volks­mund. Heut­zu­tage hört man die­sen Spruch ge­häuft in Ver­bin­dung mit Graf­fiti. Über die ästhe­tische Qua­li­tät die­ser bun­ten Bil­der, Zeichen und Schrift­züge kann man sicher­lich strei­ten. Ob als Van­da­lis­mus ver­pönt oder als Kunst ge­feiert, Graf­fiti sind inner­halb der Ju­gend­kul­tur fest ver­wur­zelt. Sie las­sen sich als krea­ti­ver Akt der Selbstdarstellung und Ausdruck von Persönlichkeit betrachten, den man mittlerweile nicht nur an Haus­fas­saden, Mauern, Brücken­pfei­lern oder Bahn­wa­gons be­wun­dern kann – auch so man­cher Grab­stein ver­sprüht auf diese Weise Ori­gi­na­li­tät. Wie die Ruhe­stät­te eines szene­be­kann­ten Graf­fiti­künst­lers unter­malt, ist das so ge­nann­te ›tag‹ zu­min­dest an die­sem Ort nicht ille­gal, son­dern ein le­gi­ti­mer Ver­weis auf die do­mi­nie­ren­de Frei­zeit­pas­sion des Ver­stor­be­nen.

Grabstein des Monats

September 2016

 

Der Welt­raum – un­end­liche Wei­ten… Be­züge auf Ster­ne­bil­der, Him­mels­zeichen, Pla­ne­ten und an­de­re Ge­stir­ne bie­ten sich zur Per­so­na­li­sie­rung des Grab­steins in­so­fern an, als sich da­raus gleich meh­rere Be­zü­ge zu Le­bens­wel­ten her­stel­len las­sen: Ob man nun astro­lo­gisch oder as­tro­no­misch be­gei­stert war oder die Sym­bo­lik des Un­end­lichen mag; ob man römi­sche Re­li­gions­kon­zepte oder die Ästhe­tik typi­sier­ter Welt­raum­dar­stel­lun­gen moch­te; ob man pas­sio­niert durch das Tele­skop schau­te oder schlicht­weg einen an­sehn­lichen Kon­trast zu den üb­lichen Dar­stel­lun­gen wünscht, die Ster­ne machen, wie unser aktuel­les Bei­spiel zeigt, vie­les mög­lich.

Grabstein des Monats

August 2016

 

Zur Sommer­zeit haben die Bier­gärten be­kannt­lich Hoch­kon­junk­tur; der Ger­sten­saft fließt in Strö­men. Auch bei unserem Grab­stein des Monats ist weder Hop­fen noch Malz ver­lo­ren! An­stel­le eines Stei­nes han­delt es sich dies­mal um ein krea­ti­ves Blu­men­kunst­werk, das den Be­trach­ter zum Schmun­zeln ein­lädt. So ver­traut einem der An­blick von Blu­men auf dem Fried­hof ist, so sehr ist man über­rascht, wenn man einem solchen Ar­ran­ge­ment be­geg­net. Die »Freun­de aus der Pils­stubb« haben die­sen nicht un­be­dingt bier­ernst an­mu­ten­den Abschiedsgruß vor einer Ur­nen­wand hin­ter­las­sen. Auf aus­ge­fal­lene Weise machen sie damit deut­lich, dass neben den Fa­mi­lien­an­ge­hö­ri­gen zu­neh­mend auch an­de­re Be­zugs­per­so­nen an der Ruhe­stät­te als Trau­ernde in Er­schei­nung tre­ten. So­zio­lo­gen sprechen hier­bei von »post­tra­di­tio­na­len Ge­mein­schaf­ten«, die in der mo­der­nen Ge­sell­schaft – auch über den Tod hin­aus – an Be­deu­tung ge­won­nen haben.

Grabstein des Monats

Juli 2016

 

Über den Wol­ken ist die Frei­heit be­kannt­lich gren­zen­los. Diese luf­tige Meta­pher hat in ver­schie­de­nen Dar­stel­lungs­varian­ten längst auch die ›Ge­gen­rich­tung‹ er­reicht, näm­lich den Fried­hof. Hier geht es nicht um weite Höhen, son­dern eher um das Be­gra­ben in 2 Me­ter Tie­fe. Und doch ist das Sinn­bild pas­send; denn der Tod ist schließ­lich nicht le­dig­lich eine kör­per­liche An­ge­le­gen­heit, son­dern wirft auch Fra­gen nach Cha­rak­ter, Geist, See­le, Be­wusst­sein usw. auf. Diese wahre Es­senz des Men­schen kann, mag die­ser Grab­stein be­sa­gen, post mor­tem tat­säch­lich über bzw. zwi­schen den Wol­ken schweben – in einer un­end­lichen Weite, die der un­end­lichen Zeit­span­ne des Tot­seins ent­spricht.

Grabstein des Monats

Juni 2016

 

Der Adler gilt nicht nur als ein be­lieb­tes Wap­pen­tier, son­dern er fun­giert gerne auch als Sinn­bild für mensch­liche Eigen­schaf­ten: Kraft, Mut, Weit­blick, Macht – und Un­sterb­lich­keit. In der Sym­bo­lik des Chris­ten­tums ist er zu­dem als Zeichen für die Him­mel­fahrt be­kannt. Die Zu­schrei­bung der­ar­ti­ger At­tri­bu­te macht den »König der Lüfte« zu einem Zeit­ge­nos­sen, den man nicht nur im Wild­park, son­dern auch auf dem Fried­hof be­ob­ach­ten und be­wun­dern kann. Seine (nicht nur) stei­ner­ne Prä­senz gibt an die­sem Ort Aus­kunft da­rüber, welche Per­sön­lich­keits­as­pekte wich­tig sind, wenn sich Men­schen an­ein­an­der er­in­nern.

Grabstein des Monats

Mai 2016

 

Ob man der D-­Mark nun nach­trauert oder nicht – Wie­der­be­geg­nun­gen mit der alten Wäh­rung haben etwas Nos­tal­gisches an sich. Das ist auf dem Fried­hof nicht an­ders. Hier wurde einem Anhänger der Phi­la­te­lie seine Lei­den­schaft ans Grab mon­tiert – oder han­delt es sich um einen Freund der Stadt Lübeck? Ganz deut­lich wird das nicht. Wer weiß; viel­leicht ist die Brief­marke auch ein sub­tiler Hin­weis, dass man sich zu Leb­zei­ten öfter schrei­ben sollte, wenn man sich nicht häu­fig sieht, bevor die Ge­le­gen­heit dazu irgend­wann fehlt.

Grabstein des Monats

April 2016

 

Auch die prag­ma­tische Lösung möch­ten wir ein­mal wür­digen! Heute wer­den Grä­ber zu­neh­mend schlich­ter ein­ge­rich­tet. Das soll auch für die­sen Kom­men­tar gel­ten.

Grabstein des Monats

März 2016

 

Viele Fried­hofs­be­sucher, die sich mo­der­ne Fried­hofs­areale etwas auf­merk­samer an­schauen, über­rascht es, an den Ruhe­stät­ten er­wach­sener, mit­un­ter hoch­be­tagt Ver­stor­be­ner auf Bil­der, Sym­bole und Fi­gu­ren zu tref­fen, die ge­mein­hin mit der Kind­heit und Jugend asso­ziiert sind.

So auch in die­sem Fall, wo ein Ted­dy­bär – ver­mut­lich ein ganz spe­ziel­les Fabri­kat – das Grab einer beinahe 65-Jäh­ri­gen ziert. Wäh­rend in solchen Fäl­len stets die Mög­lich­keit gege­ben ist, dass zwi­schen der ver­stor­be­nen Per­son und ihrem Grab­motiv ein be­ruf­licher Zu­sam­men­hang be­stand, darf wohl in den mei­sten Fäl­len eher da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass mit dem Lebens­ende ein Rück­blick an den Lebens­an­fang her­ge­stellt wird.

Der Ted­dy­bär fun­giert nicht nur als Sym­bol der Kind­heit, son­dern steht auch für eine Lebens­phase, in der man sich ge­bor­gen wäh­nen durf­te, in der ge­sell­schaft­liche Zwänge kaum zu spü­ren waren und in der Welt ein großes Aben­teuer zu sein schien, das jeden Tag ein wenig ge­nauer durch­leuch­tet wird. Mit wach­sen­dem Alter ent­fer­nen Men­schen sich von dieser Hal­tung. Manche er­in­nern sich spä­ter ger­ne dieser Zeit und sprechen da­rüber – und An­ge­höri­ge, die zu­hören, kön­nen da­raus ab­lesen, wie sich ein Le­bens­lauf am Grab­stein sym­bo­lisch schlie­ßen lässt.

Grabstein des Monats

Februar 2016

 

Alaaf und He­lau! Ob Fasching, Fast­nacht oder Kar­ne­val: auch auf dem Fried­hof sind die Jecken los. Büt­ten­rede statt Trauer­rede, und Ka­mel­le statt Blu­men? An­ge­sichts so man­cher Ge­stal­tungs­idee könn­te man es zu­min­dest mei­nen. Denn hier trifft man mitt­ler­weile im­mer häu­fi­ger auch auf solche Ele­men­te, die wäh­rend der fünf­ten Jah­res­zeit nicht feh­len dür­fen. Die Nar­ren­kap­pe gilt da­bei als ein be­lieb­tes Sinn­bild, das für eine Pas­sion, eine Be­ru­fung, eine Cha­rak­ter­eigen­schaft oder auch für eine Le­bens­ein­stel­lung ste­hen kann. Un­ser Grab­stein des Mo­nats be­rich­tet vom bun­ten Trei­ben, das offen­bar nicht nur das Le­ben be­stimmt hat – und er zeigt, dass selbst nach dem Tod kein Ascher­mitt­woch sein muss. Ein­mal mehr wird deut­lich, wie viel­fältig der zeit­ge­nös­si­sche Um­gang mit Ver­lust und Er­in­ne­rung aus­fällt. Und oft be­deu­tet das auch: Der Hu­mor en­det nicht vor dem Fried­hof­stor!

Grabstein des Monats

Januar 2016

 

Zu den tra­di­tio­nel­len Grab­stein­sym­bo­li­ken, die im deutsch­sprachi­gen Raum seit Jahr­hun­der­ten auf dem Fried­hof ge­fun­den wer­den kön­nen, ge­sel­len sich zu­neh­mend Zeichen, Schrif­ten und kal­li­gra­fische Ele­men­te, die offen­kun­dig wenig bzw. nichts mit klas­si­scher Be­stat­tungs­kul­tur zu tun haben.

Ein solches Bei­spiel zeigt unser Grab­stein des Monats: Die drei­dimen­sio­nal dar­ge­stellte Pyra­mide ist ein durch­aus be­deu­tungs­vol­les, kul­tur­his­to­risch sehr altes Sym­bol, das im Zu­sam­men­hang mit der ägyp­ti­schen Pha­rao­nen­kul­tur sogar recht deut­lich als Re­fe­renz auf Le­bens­ende und Be­gräb­nis in­ter­pre­tiert wer­den kann. Und doch geht es nicht um An­jo­tef oder Ram­ses, son­dern um Hans-Udo, der hier seine letzte Ruhe­stätte ge­fun­den hat, und der mit der Pyra­mi­den­skizze offen­bar mehr zu asso­ziieren wusste, als sein Grab auf den ersten Blick preis­gibt.

Grabstein des Monats

Dezember 2015

 

Unser Grab­stein des Monats weist eine ge­wis­se Mehr­deu­tig­keit auf: Ver­mut­lich steht das ein­gra­vier­te Bild für einen Beruf, dem der Ver­stor­bene zu Leb­zei­ten nach­ge­gan­gen ist. Aber nicht nur auf dem Fried­hof, vor der Haus­tür oder auf Dächern dürf­ten einem Schorn­stein­feger in den näch­sten Tagen häu­fi­ger be­geg­nen. Schließ­lich zäh­len sie zu den welt­weit be­kann­tes­ten Glücks­boten für das neue Jahr. Dieser schon seit dem 16. Jahr­hun­dert ver­brei­tete Volks­glaube hat seine Ur­sprün­ge in der Zeit des Mit­tel­alters, als Schorn­stein­feger die damals noch leicht ent­flamm­baren Häu­ser vor Brän­den schütz­ten. Ihr Auf­tritt auf dem Fried­hof hat daher nicht nur einen le­bens­welt­lichen Bezug, son­dern kann zu­gleich als Aus­druck von Zu­ver­sicht ver­stan­den wer­den.

Grabstein des Monats

November 2015

 

Ab­schlag! Golf und grü­ner Rasen – das passt zu vie­len Fried­hofs­area­len. Kein Wun­der, dass mancher pas­sio­nier­te Gol­fer sich mut­maß­lich wohl fühlt, wenn er auf ewig ruht – ob­wohl die typi­schen Hin­der­nis­se und Ziel­fel­der leider feh­len. Be­mer­kens­wert ist an dem vor­lie­gen­den Bei­spiel, dass es die Band­breite mög­licher Be­zugs­di­men­sio­nen zeigt: Gol­fer und Golf­schlä­ger sind als Kör­per­sil­hou­ette nur an­ge­deu­tet. Häu­fi­ger kom­men in Stein ge­meißel­te Golf-­Uten­si­lien vor, und selbst den in die Grab­stät­te ein­ge­las­se­nen Put­ter oder den ab­ge­leg­ten Golf­ball kann man hin und wie­der fin­den, wenn man auf Fried­höfen die Augen offen hält. Das Han­di­cap mag in die­sem Zu­sam­men­hang zwar der Tod sein, und doch wird deut­lich auf eine sehr ‚le­ben­dige‘ Ak­ti­vi­tät ver­wie­sen. Wie­de­rum wird der Jen­seits­blick er­setzt durch den Rück­blick auf die Le­bens­welt.

Grabstein des Monats

Oktober 2015


Das Haus­tier auf einem Fried­hof zu be­gra­ben, ist mitt­ler­weile kein un­ge­wöhn­liches An­sin­nen mehr. Die wach­sen­de Zahl der Tier­ne­kro­po­len in den ver­gan­genen Jah­ren ver­weist auf einen Be­deu­tungs­wan­del des Heim­tie­res: es wird heut­zu­tage oft als »Fa­mi­lien­mit­glied« wahr­ge­nom­men, ge­liebt – und be­trauert. Zahl­reiche Tier­grab­stät­ten zeu­gen vom emo­tio­na­len Stel­len­wert, den der ani­ma­li­sche Ge­fähr­te zu Leb­zei­ten be­saß und post mor­tem offen­bar im­mer noch in­ne hat. Wie das Grab von »Bubi« de­mon­striert, wird die Ehre einer ei­ge­nen Ruhe­stät­te nicht nur den be­lieb­ten Vier­bei­nern (Hund und Katze) zu­teil, son­dern zu­wei­len auch den ge­fie­der­ten Freun­den. Sie hin­ter­las­sen nicht nur einen leeren Käfig, son­dern auch eine Lücke im Le­ben ihrer Hal­ter – die sich selbst in­des weni­ger als »Be­sit­zer«, denn als so­zia­le Be­zugs­per­son de­fi­nie­ren.

Grabstein des Monats

September 2015


Fische gel­ten zwar tra­di­tio­nell als Sym­bo­le für den christ­lichen Glau­ben. Es darf je­doch be­zwei­felt wer­den, dass die­ses Exem­plar für einen re­li­giö­sen Be­zug steht. Viel­mehr stellt uns die­ser präch­tige Be­woh­ner der Ge­wäs­ser vor die Frage, was Eli­sa­beth S. damit bin­nen der 91 Jahre ihres Le­bens zu ver­bin­den wuss­te? War sie pas­sio­nie­rte Ang­le­rin? Be­rei­tete sie solche Tiere gerne für Mahl­zei­ten zu? Hat sie sie ge­züch­tet? Oder steckt da­hin­ter doch mehr, als der erste An­blick der Grab­plat­te am Ko­lum­ba­rium offen­bart? Wie so oft, sol­len wir es auch in die­sem Fall nicht genau wis­sen.

Grabstein des Monats

August 2015


Mil­lio­nen Men­schen at­men auf! Denn im Au­gust rollt das runde Le­der end­lich wieder über den grü­nen Bun­des­liga-­Ra­sen. Auch wenn man es viel­leicht nicht auf An­hieb er­war­tet, ist es bis zum grü­nen Fried­hofs-­Ra­sen nicht weit: Ne­ben so ge­nann­ten »Fan­fried­hö­fen«, die op­tisch an ein Sta­dion er­in­nern, sind auf vielen Grab­stei­nen Fuß­bäl­le und die Em­ble­me be­kann­ter (und auch we­ni­ger be­kann­ter) Mann­schaf­ten zu be­ob­ach­ten. Von der Cham­pions-­Lea­gue bis zur Kreis­klas­se reicht die­ses bun­te Sam­mel­su­rium. Lieb­lings­ver­eine bie­ten Mög­lich­kei­ten zur Iden­ti­fi­ka­tion; man ju­belt mit ihnen in gu­ten Zei­ten, und lei­det mit ihnen in we­ni­ger er­folg­reichen Ta­gen. Un­ser Grab­stein des Mo­nats ist nicht nur ein her­vor­ra­gen­des Bei­spiel für die Ko­exis­tenz von sa­kra­len und welt­lichen Be­zü­gen – ne­ben­bei bringt die­se Kon­stel­la­tion auch die ak­tuel­le Si­tua­tion des FC Schal­ke auf den Punkt.

Grabstein des Monats

Juli 2015


Das Oval ist die tra­di­tio­nel­le Ein­rah­mung von Grab­stein­bild­nis­sen und war in dieser Funk­tion schon im 19. Jahr­hun­dert auf Fried­höfen zu fin­den. Nach einer län­ge­ren, his­to­risch be­ding­ten Un­ter­brechung feiern Grab­stein­fotos erst seit den 1990er Jah­ren wie­der eine Re­nais­sance auf bun­des­deut­schen Be­stat­tungs­area­len. An­stel­le des typi­schen Por­träts wer­den die Ovale dabei zu­neh­mend für die Dar­stel­lung ge­lieb­ter Mit­men­schen, Din­ge oder so­gar Haus­tiere ver­wen­det.

Hier sehen wir ein solches Bei­spiel: Nicht »Romeo«, der ge­lieb­te Kater, liegt hier be­gra­ben, son­dern sein Frau­chen. Der Grab­stein be­fin­det sich also nicht auf einem Tier­fried­hof, son­dern auf einem für Men­schen ge­dach­ten Got­tes­acker. Gleich­wohl macht die Plat­zie­rung der Fo­to­gra­fie deut­lich, was ge­sagt wer­den soll: Noch im Tode soll »Romeo« in der Nähe sein. Gut mög­lich, dass das Tier, des­sen Ant­litz nun ein Grab ziert, selbst noch quick­leben­dig ist.

Grabstein des Monats

Juni 2015


Im All­tags­le­ben wer­den Men­schen vor allem an­hand ihrer Ge­sich­ter adres­siert und (wieder-)­er­kannt. Nicht um­sonst haben Ge­sich­ter in der west­lichen Ge­denk­kul­tur seit lan­ger Zeit einen fes­ten Platz, wie bei­spiels­wei­se Ge­mäl­de, Fo­to­gra­fien oder auch To­ten­mas­ken be­le­gen. Folg­lich dürf­te es auch das Ge­sicht sein, das einem als ers­tes vor dem in­ne­ren Auge er­scheint, wenn man sich an einen ver­stor­be­nen Na­he­ste­hen­den erin­nert. Lässt man seinen Blick über die Grä­ber­rei­hen des Fried­ho­fes schwei­fen, be­geg­nen einem häu­fig Ge­sich­ter. Ne­ben dem Ant­litz des Ge­kreu­zig­ten oder der Jung­frau Ma­ria feh­len Fo­tos, Gra­vu­ren oder Sta­tuen der Ver­stor­be­nen mitt­ler­wei­le auf kaum einem To­ten­acker. An­ge­sichts der zu­neh­men­den Per­so­na­li­sie­rung und In­di­vi­dua­li­sie­rung von Grab­stät­ten ver­wun­dert das nicht. In­dem der Grab­stein buch­stäb­lich ein Ge­sicht be­kommt, ver­rät er sei­nem Be­trach­ter etwas da­rüber, wer (und wie) der Ver­stor­be­ne für »seine« Hin­ter­blie­be­nen ge­we­sen ist. Just an je­nem Ort, an dem der Leich­nam bei­ge­setzt und da­mit zum Ver­schwin­den ge­bracht wur­de, kann man dem Ver­stor­be­nen durch sein Ab­bild in die Au­gen schauen.

Grabstein des Monats

Mai 2015

 

Der Ge­burts­ort ist zwar ohne Zwei­fel kei­ne in­di­vi­duel­le Leis­tung, die einem Men­schen nach dem En­de sei­nes Le­bens zu­ge­schrie­ben wer­den kann: Wann, wo und un­ter wel­chen Um­stän­den das Le­ben be­ginnt, kann nie­mand selbst steu­ern. An­ders sieht es aller­dings aus, wenn man sich be­wusst mit einer Stadt in Ver­bin­dung bringt und da­durch auf eine spe­zi­fi­sche Men­ta­li­tät, auf eine Hal­tung, viel­leicht so­gar auf einen be­stimm­ten Dia­lekt ver­weist. Ent­sprech­ende Brücken zwi­schen Per­son und Ort wer­den auf zeit­ge­nös­si­schen Fried­hö­fen gar nicht so selten ge­schla­gen, wie un­ser Grab­stein des Mo­nats stell­ver­tre­tend un­ter Be­weis stellt. Hier ruht »ne Köl­sche Jung«, der sicher­lich noch wei­te­re so­zia­le Rol­len ge­spielt hat und nicht al­lein Köl­ner war. Aber die Ver­bin­dung zur Dom­stadt war ihm selbst (oder sei­nen Hin­ter­blie­be­nen) wich­tig ge­nug, um sie über den Tod hin­aus zu be­wah­ren.

Grabstein des Monats

April 2015

 

Der Früh­ling steht vor der Tür! Da­mit be­ginnt die Zeit, in der vie­le Men­schen ihre Fahr­rä­der wie­der aus dem Schup­pen ho­len, sich auf den Sat­tel schwin­gen und kräf­tig in die Pe­da­le tre­ten. Schließ­lich ist der Draht­esel häu­fig nicht nur bloßes Fort­be­we­gungs­mit­tel, son­dern ge­hört zu den be­lieb­tes­ten Frei­zeit­ge­gen­stän­den für Jung und Alt. Zwar füh­ren die Rad­wege (noch?) nicht über den To­ten­acker – als le­bens­welt­liches Sym­bol für Frei­zeit­be­schäf­ti­gung, Wett­kampf, Ziel­an­kunft etc. hat das Fahr­rad mit­samt sei­nem Zu­be­hör den­noch längst die mo­der­nen Grab­stei­ne er­reicht. Die Va­ria­tio­nen­viel­falt ist be­ein­druckend, und man könn­te fast mei­nen, dass zu­min­dest an die­sem Ort das Rad im­mer wie­der neu er­fun­den wird: Vom Renn­rad über Moun­tain­bike und BMX bis hin zu Tan­dem und Drei­rad lässt sich auf den Fried­höfen von heute mitt­ler­we­ile al­les fin­den, was Rad­ler­her­zen höher schla­gen lässt.

Grabstein des Monats

März 2015

 

Mit dem Tod wird bil­der­sprach­lich die Rei­se in eine an­de­re Welt an­ge­tre­ten. Al­ter­na­ti­ve Wirk­lich­kei­ten las­sen sich aber schon im Dies­seits fin­den, und für vie­le Men­schen ist die Be­geg­nung mit frem­den Kul­tu­ren in fer­nen Län­dern eine reiz­vol­le Her­aus­for­de­rung. Un­ser Grab­stein des Mo­nats prä­sen­tiert zum einen das Mo­tor­rad als sym­bo­li­sches In­stru­ment des Ver­rei­sens und Vor­an­kom­mens und zum zwei­ten Af­ri­ka als wohl nicht nur sinn­bild­lichen, son­dern in die­sem Fall of­fen­bar ganz kon­kre­ten Sehn­suchts­ort: in der Gra­vur ist Ka­me­run her­vor­ge­ho­ben. Kon­trastiert we­rden bei­de bild­haf­ten Dar­stel­lun­gen durch eine heu­te eher sel­te­ne In­schrift­art - einen bib­li­schen Psalm.

Grabstein des Monats

Februar 2015

 

Hob­bys und Lei­den­schaf­ten zäh­len zu den häu­fig­sten Mo­ti­ven mo­der­ner Grab­stei­ne. Das ist nicht ver­wun­der­lich, wird doch die letz­te Ru­he­stät­te im­mer stär­ker im Sin­ne eines Rück­blicks auf eine in­di­vi­duel­le Le­bens­welt eingerichtet. Ge­lieb­te Frei­zeit­be­schäf­ti­gun­gen sind dazu ge­eig­net, denn sie wer­den oft ein Le­ben lang an ver­folgt bzw. ge­schätzt. Außer­dem kön­nen sie am Grab meist durch ein­fache Sym­bole aus­ge­drückt wer­den, die we­nig Platz und in der Re­gel kei­ner wei­te­ren Er­läu­te­rung be­dürfen. So­fort weiß je­der, was ge­sagt wer­den soll, wenn etwa ein Fuß­ball, eine Trom­pe­te oder ein Fahr­rad die Grab­stät­te ziert.
An­ders in die­sem Fall: Dass es sich bei »DL2SDU« nicht um eine Ge­heim­sprache han­delt, son­dern um einen Co­de­na­men im Hob­by­sprech­funk, dem der Ver­stor­be­ne frü­her of­fen­bar pas­sio­niert nach­ging, dürf­te nur von »Ken­nern« auf An­hieb ent­schlüs­selt wer­den.

Grabstein des Monats

Januar 2015

 

Wäh­rend Neu­grün­dun­gen von re­gu­lä­ren Fried­hö­fen in Deutsch­land mitt­ler­wei­le zur Sel­ten­heit ge­wor­den sind, flo­rie­ren Tier­fried­höfe um­so mehr. Dies ist nur eines von meh­re­ren In­di­zien, die da­für sprechen, dass Haus­tie­ren auch im Be­stat­tungs­kon­text eine im­mer grö­ße­re Rol­le zu­kommt. Frau­chen und Herr­chen trauern heu­te offe­ner – und auch in­ves­ti­tions­freu­di­ger – um ihre ver­lo­re­nen Lieb­lin­ge, als je­mals zuvor.

Be­kannt­lich sind Tier­dar­stel­lun­gen aber auch auf Men­schen­fried­höfen sicht­bar; die­se Ver­wei­se sind am­bi­va­len­ter, be­zie­hen sie doch ne­ben den Haus- auch Nutz- und Sym­bol­tie­re mit ein.

Un­ser Grab­stein des Mo­nats tanzt in­so­fern aus der Reihe, als die häu­fig­sten Grab­stein­tie­re heu­te Kat­zen und Ele­fan­ten sind – wäh­rend die­ses Grab einen Vo­gel hat. Wir se­hen  einen ge­fie­der­ten Freund, der wo­mög­lich als Haus­tier Freu­de be­rei­tet hat und/­oder nun ein »Hin­ter­blie­be­ner« ist, der, auf der Kä­fig­stan­ge sit­zend, um die ver­stor­be­ne Per­son trauert. Deut­lich wird in je­dem Fall, dass die Mensch-­Tier-­Be­zie­hung in­ten­siv ge­nug war, um mit ins Grab­en­semb­le auf­ge­nom­men zu wer­den. Wäh­rend sonst al­len­falls ein mensch­licher Kon­ter­fei in den Stein gra­viert wird, ist es hier das »Ant­litz« eines ge­lieb­ten Vo­gels.

Grabstein des Monats

Dezember 2014

 

Schon lange fin­den sich auf Grä­bern ne­ben den nüch­ter­nen Le­bens­da­ten der Ver­stor­be­nen auch In­schrif­ten in Form von Sinn­sprü­chen. Tra­di­tio­nell han­delt es sich da­bei hier­zu­lan­de meist um Ver­se aus der Li­tur­gie. Im Schat­ten der In­di­vi­dua­li­sie­rung und der Plu­ra­li­sie­rung von Ab­schied, Trau­er und Ge­den­ken lässt sich aber mitt­ler­wei­le auch eine große Viel­falt von Grab­sprü­chen be­ob­ach­ten. Deren Ur­sprün­ge wur­zeln im­mer häu­fi­ger in sä­ku­la­ren Kon­tex­ten. Ne­ben pri­va­ten Poe­sien des Ver­stor­be­nen oder sei­ner An­ge­hö­ri­gen be­dient man sich somit im­mer häu­fi­ger auch be­kann­ter Zi­ta­te aus der Welt des Films und Fern­se­hens, aus Li­te­ra­tur und The­ater, aus Wis­sen­schaft und Po­li­tik, aus Ly­rik und all­täg­lichem Sprach­ge­brauch, oder – wie im vor­lie­gen­den Fall – aus der Mu­sik. Die­ser Grab­stein bricht auch in­so­fern mit ge­wohn­ten Kon­ven­tio­nen (und be­kräf­tigt da­mit einen wei­te­ren Trend), als er Nach­na­men und Le­bens­da­ten wie­de­rum ver­schweigt und die Ver­stor­bene so­mit nur noch für ihre An­ge­hö­ri­gen nä­her ›iden­ti­fi­zier­bar‹ bleibt.

Grabstein des Monats

November 2014

 

Grab­stei­ne wa­ren schon im­mer in­so­fern »per­so­na­li­siert«, als sie tra­di­tio­nell den Na­men und die Le­bens­da­ten der ver­stor­be­nen Per­son auf­wie­sen. Die­se Form der Ver­bin­dung von Er­in­ne­rungs­stät­te und sub­jek­ti­vem Le­bens­ver­lauf war al­ler­dings sehr »förm­lich« – außen­ste­hen­den Fried­hofs­be­sucher wur­de da­durch nichts von dem Cha­rak­ter und von den Ei­gen­hei­ten der oder des Be­er­dig­ten ver­ra­ten. Im Zu­ge der In­di­vi­dua­li­sie­rung machen die her­kömm­lichen »Grab­in­for­ma­tio­nen« seit ei­ni­ger Zeit zu­neh­mend sol­chen Grab­ge­stal­tun­gen Platz, die den Be­griff »Per­son« wort­wört­lich mit der Per­sön­lich­keit ver­bin­den. Auch da­bei kön­nen na­tür­lich nur ei­ni­ge Le­bens­as­pek­te prä­sen­tiert wer­den, und auch sie le­dig­lich in kom­pri­mier­ter Form.

Un­ser Grab­stein des Mo­nats zeigt ein sol­ches Bei­spiel: Der Ver­stor­be­ne ist hier nicht mit ei­nem Spitz­na­men auf­ge­führt – son­dern of­fen­bar gleich mit zwei! Sein Ge­müt war, das sol­len die Be­trach­ter er­fah­ren, son­nig, und sei­ne Lei­den­schaft ver­ra­ten die bei­den mu­si­ka­li­schen Sym­bo­le. Ver­mut­lich hat »Bul­ly« ger­ne Trom­pe­te und Gi­tar­re ge­spielt – und just die­se At­tri­bu­ten, Hob­by und Spitz­na­men, sind die »An­dock­stel­len« für Er­in­ne­rungs­lei­stun­gen an sei­nem Grab. Die Ver­sach­lich­ung des Le­bens am Grab weicht zu­neh­mend ei­ner in­di­vi­duel­len, durch­aus bun­ten, durch­aus ei­gen­wil­li­gen Bi­lanz.

Grabstein des Monats

Oktober 2014

 

Alles ist ver­gäng­lich! Aber wohl an kaum einem an­de­ren Ort wird einem die End­lich­keit des Le­bens dras­ti­scher vor Augen ge­führt als auf dem Fried­hof. Zu den typischen Va­ni­tas­sym­bo­len der Grab­male ge­hö­ren neben Kreu­zen, Ker­zen und Ro­sen auch Dar­stel­lun­gen von Uhren. Das Chro­no­me­ter gibt es in­zwi­schen in allen mög­lichen Va­rian­ten. Es ist nicht nur ein zen­tra­ler Takt­ge­ber der mo­der­nen Ge­sell­schaft, der das (Zu­sam­men-)­Le­ben struk­tu­riert; Uhren be­sit­zen zu­gleich einen sym­bo­lischen Ge­halt. Als Zei­chen des me­men­to mori sind sie häu­fig in den Stein gra­viert, zu­wei­len fin­det man so­gar echte Uhren als Ab­la­ge­ge­gen­stände am Grab. Im vor­lie­gen­den Fall wird das Zeit­mo­tiv zum einen durch das sil­ber­far­be­ne Pen­del einer Wand­uhr an­ge­deu­tet. Man wird bild­haft da­ran erin­nert, dass der Le­bens­lauf so­wohl mit ver­rin­nen­der Zeit, wie auch mit dem ge­ra­de­zu me­tro­nom­ar­ti­gen Rhyth­mus des Herz­schla­ges in Ver­bin­dung steht. Et­was kryp­tisch mu­tet zu­dem die In­schrift an – ein la­ko­ni­scher Aus­druck der Sehn­sucht nach mehr (ge­mein­sam ge­teil­ter) Le­bens­zeit…

Grabstein des Monats

September 2014

 

Zu­neh­mend lässt sich eine Ten­denz hin zur Ver­rät­se­lung von Grab­in­schrif­ten fest­stel­len. Dort, wo die Le­bens­wei­sen von Men­schen eher auf das en­ge­re so­zia­le Um­feld zu­ge­schnit­ten sind – an­statt, wie zu frü­he­ren Zei­ten und heute noch bei dörf­lichen Struk­tu­ren, auf ein grö­ße­res Ge­mein­schafts­we­sen –, ist der Kreis der »Ad­res­sa­ten« ge­rin­ger. Da­für sind die­je­ni­gen, die von einem Grab »be­trof­fen« sind, aber auch we­sent­lich nä­her mit der ver­stor­be­nen Per­son be­kannt ge­we­sen. Aus die­ser in­ti­men Kennt­nis er­gibt sich die Mög­lich­keit, An­deu­tun­gen, Sym­bo­le und an­de­re Ver­wei­se aus­zu­buch­sta­bie­ren, die folg­lich nur für aus­ge­wähl­te Fried­hofs­be­sucher einen greif­ba­ren Sinn er­ge­ben.

Un­ser Grab­stein des Mo­nats lie­fert eine ver­gleichs­wei­se tra­di­tio­nel­le Va­rian­te: Ne­ben die Le­bens­da­ten, eine äs­the­ti­sche Fi­gur und eine im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes herz­liche Dar­stel­lung des Be­zie­hungs­ver­hält­nis­ses ist durch einen Be­griff und einen Zah­len­code eine Be­deu­tungs­kon­stel­la­tion ge­rückt, die un­ein­ge­weih­te Be­trach­ter ab­sichts­voll vor ein Rät­sel stellt – wäh­rend In­si­der ge­nau wis­sen dürf­ten, was es mit »Sao 73868« auf sich hat.

Grabstein des Monats

August 2014

 

Au­gust heißt Som­mer­zeit. Und Som­mer­zeit heißt Rei­se­zeit! Für vie­le Men­schen ist das Flug­zeug ein be­lieb­tes Trans­port­mit­tel, wenn es in die lang er­sehn­ten Fe­rien geht. Hoch über den Wol­ken bringt sie das, wie es heißt, »sicher­ste Ver­kehrs­mit­tel der Welt« in kur­zer Zeit von A nach B. Dass das Flug­zeug aber nicht nur eine kom­for­tab­le Rei­se ga­ran­tiert, son­dern in vie­len ver­schie­de­nen Va­ria­tio­nen im­mer häu­fi­ger auch auf Grab­stei­nen lan­det, mag wohl in ers­ter Li­nie mit sei­nem Sym­bol­ge­halt zu tun ha­ben: Frei­heit, Un­ab­hän­gig­keit, Mo­bi­li­tät sind Kenn­zei­chen eines selbst­be­stimm­ten Le­bens in der mo­der­nen Ge­sell­schaft – und zugleich Begriffe, für die der Flug­ver­kehr steht. Außer­dem ge­ben sol­che Mo­ti­ve Ein­blicke in die Le­bens­welt de­rer, für die die Flie­ge­rei eine Lei­den­schaft ist. Und nicht zu­letzt kann der Flie­ger auch für tra­gi­sche Er­eig­nis­se ste­hen, etwa für einen To­des­fall durch Absturz.

Grabstein des Monats

Juli 2014

 

Die Trak­tor­fahrt gehört üb­licher­wei­se zum Be­rufs­all­tag; als Frei­zeit­be­schäf­ti­gung kommt sie wohl nur für we­ni­ge Men­schen in Fra­ge. Der Ar­beits­kon­text be­deu­tet aber nicht zwin­gend, dass die Auf­gabe un­per­sön­lich oder gar auf­ge­zwun­gen ist. Ge­ra­de der land­wirt­schaft­liche Be­reich taucht in Fried­hofs­wel­ten immer wie­der als Iden­ti­fi­ka­tions­merk­mal von Per­sön­lich­kei­ten auf. Der Le­bens­rück­blick deu­tet in sol­chen Fäl­len auf ein har­mo­ni­sches Ver­hält­nis von Per­son und Tä­tig­keit – so wie in die­sem Bei­spiel, in dem der (füh­rer­los ge­wor­de­ne) Trak­tor post mor­tem des Grab­feld um­pflü­gen darf. Er ist ein gu­tes Bei­spiel für »Grab­kul­tur« im wort­wört­lichen Sin­ne - denn cul­tu­ra be­deu­tet ur­sprüng­lich »Acker­bau«.

Grabstein des Monats

Juni 2014

 

Die Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Tier hat sich ver­än­dert – und so hat auch der Heim­tier­tod in den letz­ten cir­ca 20 Jahren an Be­deu­tung ge­won­nen. Das zeigt sich ins­be­son­dere am ra­san­ten An­stieg von Tier­be­stat­tun­gen und der Insta-llation von Tier­fried­hö­fen. Vie­le klas­si­sche und in­no­va­ti­ve Ele­men­te des Men­schen­fried­hofs wer­den auch auf dem Tier­fried­hof auf­ge­grif­fen - und bis­wei­len über­spitzt. Das ab­ge­bil­de­te Grab, und vie­le wei­te­re, machen deut­lich, dass die An­thro­po­mor­phi­sie­rung, also die Ver­mensch­lich­ung der ei­ge­nen Haus­tie­re, auch (und vor al­lem) post mor­tem eine Fort­set­zung fin­det.

Grabstein des Monats

Mai 2014

 

Christ­liche Sym­bole wie Kreuz, En­gels-, Ma­rien-, oder Je­sus­dar­stel­lun­gen be­kom­men auf Grä­bern heut­zu­ta­ge Kon­kur­renz von Zeichen, die nicht etwa auf Kol­lek­ti­vi­tät und Jen­seits­glau­be an­spie­len, son­dern eine per­sön­liche Bi­lanz eines in­di­vi­duel­len Le­ben sind. Sa­kra­les und Pro­fa­nes muss sich aber nicht un­be­dingt aus­schlie­ßen; manch­mal kann ein ein­zel­nes Grab­mo­tiv auch bei­des re­prä­sen­tie­ren. Der Köl­ner Dom ist ei­ner­seits ein »Got­tes­haus« und drückt an­de­rer­seits als Wahr­zeichen der Stadt Hei­mat­ver­bun­den­heit aus – das Sym­bol wird so zum Per­sön­lich­keits­merk­mal.

Grabstein des Monats
April 2014

 

Autos sind nicht nur als Ga­ran­ten der per­sön­lichen Mobi­li­tät von Be­deu­tung, son­dern auch als Sta­tus­sym­bole. Sie die­nen bei­spiels­wei­se dazu, eine spe­zi­fi­sche Le­bens­ein­stel­lung zum Aus­druck zu brin­gen, sig­na­li­sie­ren einen be­stimm­ten Wohl­stand, ver­wei­sen meta­pho­risch auf den Wert der per­sön­lichen Frei­heit oder de­mon­strie­ren die Reise­freu­dig­keit der Wa­gen­be­sit­zer. Die­se viel­fäl­tige An­schluss­fähig­keit er­öff­net Kraft­fahr­zeu­gen zu­neh­mend die Ein­fahrt auf den Fried­hof – sei es in Form von Fotos, ab­ge­leg­ten Num­mern­schil­dern, aus­ran­gier­ten Fahr­zeug­tei­len oder aber, wie hier zu sehen, als Mini­atur­nach­bil­dung des zu Leb­zei­ten gerne be­nutz­ten Wagen­mo­dells.

Grabstein des Monats
März 2014

 

Grab­stei­ne tra­di­tio­nel­ler Fried­höfe sahen sich lan­ge Zeit sehr ähn­lich und ver­sinn­bild­lich­ten da­mit nicht zu­letzt die Idee der Gleich­heit nach dem Tod. In Zei­ten der In­di­vi­dua­li­sie­rung tan­zen mo­der­ne Grä­ber je­doch ver­mehrt aus der Rei­he. Was Form und Far­be an­geht, trotzt auch das vor­lie­gen­de Bei­spiel den Kon­ven­tio­nen und stellt da­durch ein­mal mehr un­ter Be­weis: Der Fried­hof wird bunter. Im­mer häu­fi­ger brin­gen An­ge­hö­ri­ge ihre ei­ge­nen Ideen in die Grabge­stal­tung mit ein. Statt eines teu­ren Grab­steins wur­de hier ein Stück Holz ver­wen­det und in bun­ten Far­ben be­malt – zu­gleich eine Form der Trauer­ar­beit mit »ei­ge­nen Hän­den«.

Grabstein des Monats

Februar 2014

 

Tiere als Grab­stein­sym­bo­le auf Be­stat­tungs­stät­ten von Men­schen fal­len für ge­wöhn­lich in eine von drei Ka­te­go­rien: (1) Tiere mit reli­giö­sen Be­zug (etwa Tau­be oder Fisch); (2) Tiere, die auf Haus­tiere/­Nutz­tiere der Ver­stor­be­nen ver­wei­sen; (3) Tiere, die sym­bo­lisch für mensch­liche Cha­rak­ter­eigen­schaf­ten ste­hen. Hier sehen wir ein Bei­spiel für die letzt­ge­nannte Ka­te­go­rie.