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14. Mai 2017

Grabstein des Monats

Januar 2017

 

Wir wün­schen un­se­ren Le­se­rin­nen und Le­sern ein schö­nes neues Jahr – mit spit­zer Fe­der und Schreib­tisch­un­ter­lage im An­schlag! Un­ser Grab­stein des Mo­nats prä­sen­tiert Uten­si­lien, die in Zei­ten der Tas­ta­tur nicht mehr ganz all­täg­lich sind. Über­le­bens­groß und den­noch ge­wis­ser­maßen rea­lis­tisch ge­stal­tet pran­gen sie am Gra­be eines Ehe­paares, dem ein ver­gleichs­weise lan­ges Le­ben ver­gönnt war. Ob es einer schrift­stel­le­ri­schen Tätig­keit ge­wid­met war, ob die bei­den pas­sio­nier­te Brie­fe­schrei­ber wa­ren, oder ob ein an­de­rer Kon­text hin­ter die­ser Ge­stal­tungs­va­rian­te steckt, lässt sich nicht sa­gen. Aber ein­mal mehr zeigt sich, dass mo­der­ne Grä­ber im­mer häu­fi­ger ein De­sign auf­wei­sen, das vom Ka­non der tra­di­tio­nel­len Dar­stel­lun­gen ab­weicht – und das da­mit einer Ruhe­stät­te Ein­zig­ar­tig­keit ver­leiht, selbst dann, wenn – wie hier – die ein­ge­bau­te Ver­satz­stücke an sich noch nicht sehr in­di­vi­duell da­her kom­men.

Grabstein des Monats

Dezember 2016

 

Weiße Weih­nach­ten dieses Jahr? Das steht noch in den Ster­nen! Aber zu­min­dest auf die­sem Grab­stein fal­len schon ein­mal die ers­ten Flocken. Auch wenn das Rodeln auf den meisten Fried­höfen nicht erlaubt ist, zeigt sich gerade an die­sem Ort, dass die per­sön­lichen Vor­lie­ben der Ver­stor­be­nen alles an­de­re als Schnee von ges­tern sind, son­dern bis in die Ge­gen­wart – und mit­un­ter weit da­rüber hin­aus – prä­sent ge­hal­ten wer­den. Hier wird mög­licher­weise einer Zu­nei­gung zur weißen Pracht Aus­druck ver­lie­hen, viel­leicht wer­den die Eis­kri­stal­le aber auch als ästhe­tische Zeichen für mensch­liche Eigen­schaf­ten ver­stan­den: In­di­vi­dua­li­tät und Ver­gäng­lich­keit.

Grabstein des Monats

November 2016

 

Zu den eher ge­läu­fi­gen Metap­hern der Kul­tur­­ge­schichte des Todes ge­hört der Ver­gleich des Le­bens mit einem Spiel oder einem Kon­kur­renz­kampf, den nicht jeder ge­winnen kann. Ent­sprechen­de bil­der­sprach­liche Dar­stel­lun­gen säu­men auch und ge­ra­de die Grab­stät­ten, die ge­gen­wär­tig an­ge­legt wer­den; denn Spie­len und spie­le­ri­sche Ele­men­te sind auch in den Le­bens­wel­ten im­mer ver­brei­te­ter, wes­halb soll­ten sie dann nicht auch im Tod re­prä­sen­­tiert sein?

 

Das Schach­spiel stellt vor die­sem Hin­ter­grund eine be­son­dere inter­es­sante Varian­te dar, han­delt es sich doch um ein kom­ple­xes, in un­end­lichen Spiel­zügen durch­führ­bares und eher als in­tel­lek­tuell gel­ten­des Frei­zeit­ver­gnü­gen mit durch­aus sport­lichen Im­pli­ka­tio­nen. Wir sehen hier eine An­ord­nung, bei der der schwar­ze Turm vom weißen Sprin­ger un­mit­tel­bar be­droht ist – eine Ab­bil­dung, die etwas über die Le­bens- oder Todes­um­stän­de der/­des Ver­stor­be­nen mit­tei­len will, oder eine rein ästhe­tische Dar­stel­lung? Das bleibt im Dun­keln. Klar je­doch ist, dass das Schach­feld und sei­ne Fi­gu­ren dem Stein eine eigen­wil­lige Note ver­lei­hen, die sich auf ver­schie­dene Weise mit dem Ver­hält­nis von Leben und Tod ver­knüp­fen lässt. Ster­ben als Schach­matt be­grei­fen ist nur eine davon.

Grabstein des Monats

Oktober 2016

 

»Narren­hände be­schmie­ren Tisch und Wände«, sagt der Volks­mund. Heut­zu­tage hört man die­sen Spruch ge­häuft in Ver­bin­dung mit Graf­fiti. Über die ästhe­tische Qua­li­tät die­ser bun­ten Bil­der, Zeichen und Schrift­züge kann man sicher­lich strei­ten. Ob als Van­da­lis­mus ver­pönt oder als Kunst ge­feiert, Graf­fiti sind inner­halb der Ju­gend­kul­tur fest ver­wur­zelt. Sie las­sen sich als krea­ti­ver Akt der Selbstdarstellung und Ausdruck von Persönlichkeit betrachten, den man mittlerweile nicht nur an Haus­fas­saden, Mauern, Brücken­pfei­lern oder Bahn­wa­gons be­wun­dern kann – auch so man­cher Grab­stein ver­sprüht auf diese Weise Ori­gi­na­li­tät. Wie die Ruhe­stät­te eines szene­be­kann­ten Graf­fiti­künst­lers unter­malt, ist das so ge­nann­te ›tag‹ zu­min­dest an die­sem Ort nicht ille­gal, son­dern ein le­gi­ti­mer Ver­weis auf die do­mi­nie­ren­de Frei­zeit­pas­sion des Ver­stor­be­nen.

Grabstein des Monats

September 2016

 

Der Welt­raum – un­end­liche Wei­ten… Be­züge auf Ster­ne­bil­der, Him­mels­zeichen, Pla­ne­ten und an­de­re Ge­stir­ne bie­ten sich zur Per­so­na­li­sie­rung des Grab­steins in­so­fern an, als sich da­raus gleich meh­rere Be­zü­ge zu Le­bens­wel­ten her­stel­len las­sen: Ob man nun astro­lo­gisch oder as­tro­no­misch be­gei­stert war oder die Sym­bo­lik des Un­end­lichen mag; ob man römi­sche Re­li­gions­kon­zepte oder die Ästhe­tik typi­sier­ter Welt­raum­dar­stel­lun­gen moch­te; ob man pas­sio­niert durch das Tele­skop schau­te oder schlicht­weg einen an­sehn­lichen Kon­trast zu den üb­lichen Dar­stel­lun­gen wünscht, die Ster­ne machen, wie unser aktuel­les Bei­spiel zeigt, vie­les mög­lich.

Grabstein des Monats

August 2016

 

Zur Sommer­zeit haben die Bier­gärten be­kannt­lich Hoch­kon­junk­tur; der Ger­sten­saft fließt in Strö­men. Auch bei unserem Grab­stein des Monats ist weder Hop­fen noch Malz ver­lo­ren! An­stel­le eines Stei­nes han­delt es sich dies­mal um ein krea­ti­ves Blu­men­kunst­werk, das den Be­trach­ter zum Schmun­zeln ein­lädt. So ver­traut einem der An­blick von Blu­men auf dem Fried­hof ist, so sehr ist man über­rascht, wenn man einem solchen Ar­ran­ge­ment be­geg­net. Die »Freun­de aus der Pils­stubb« haben die­sen nicht un­be­dingt bier­ernst an­mu­ten­den Abschiedsgruß vor einer Ur­nen­wand hin­ter­las­sen. Auf aus­ge­fal­lene Weise machen sie damit deut­lich, dass neben den Fa­mi­lien­an­ge­hö­ri­gen zu­neh­mend auch an­de­re Be­zugs­per­so­nen an der Ruhe­stät­te als Trau­ernde in Er­schei­nung tre­ten. So­zio­lo­gen sprechen hier­bei von »post­tra­di­tio­na­len Ge­mein­schaf­ten«, die in der mo­der­nen Ge­sell­schaft – auch über den Tod hin­aus – an Be­deu­tung ge­won­nen haben.

Grabstein des Monats

Juli 2016

 

Über den Wol­ken ist die Frei­heit be­kannt­lich gren­zen­los. Diese luf­tige Meta­pher hat in ver­schie­de­nen Dar­stel­lungs­varian­ten längst auch die ›Ge­gen­rich­tung‹ er­reicht, näm­lich den Fried­hof. Hier geht es nicht um weite Höhen, son­dern eher um das Be­gra­ben in 2 Me­ter Tie­fe. Und doch ist das Sinn­bild pas­send; denn der Tod ist schließ­lich nicht le­dig­lich eine kör­per­liche An­ge­le­gen­heit, son­dern wirft auch Fra­gen nach Cha­rak­ter, Geist, See­le, Be­wusst­sein usw. auf. Diese wahre Es­senz des Men­schen kann, mag die­ser Grab­stein be­sa­gen, post mor­tem tat­säch­lich über bzw. zwi­schen den Wol­ken schweben – in einer un­end­lichen Weite, die der un­end­lichen Zeit­span­ne des Tot­seins ent­spricht.

Grabstein des Monats

Juni 2016

 

Der Adler gilt nicht nur als ein be­lieb­tes Wap­pen­tier, son­dern er fun­giert gerne auch als Sinn­bild für mensch­liche Eigen­schaf­ten: Kraft, Mut, Weit­blick, Macht – und Un­sterb­lich­keit. In der Sym­bo­lik des Chris­ten­tums ist er zu­dem als Zeichen für die Him­mel­fahrt be­kannt. Die Zu­schrei­bung der­ar­ti­ger At­tri­bu­te macht den »König der Lüfte« zu einem Zeit­ge­nos­sen, den man nicht nur im Wild­park, son­dern auch auf dem Fried­hof be­ob­ach­ten und be­wun­dern kann. Seine (nicht nur) stei­ner­ne Prä­senz gibt an die­sem Ort Aus­kunft da­rüber, welche Per­sön­lich­keits­as­pekte wich­tig sind, wenn sich Men­schen an­ein­an­der er­in­nern.

Grabstein des Monats

Mai 2016

 

Ob man der D-­Mark nun nach­trauert oder nicht – Wie­der­be­geg­nun­gen mit der alten Wäh­rung haben etwas Nos­tal­gisches an sich. Das ist auf dem Fried­hof nicht an­ders. Hier wurde einem Anhänger der Phi­la­te­lie seine Lei­den­schaft ans Grab mon­tiert – oder han­delt es sich um einen Freund der Stadt Lübeck? Ganz deut­lich wird das nicht. Wer weiß; viel­leicht ist die Brief­marke auch ein sub­tiler Hin­weis, dass man sich zu Leb­zei­ten öfter schrei­ben sollte, wenn man sich nicht häu­fig sieht, bevor die Ge­le­gen­heit dazu irgend­wann fehlt.

Grabstein des Monats

April 2016

 

Auch die prag­ma­tische Lösung möch­ten wir ein­mal wür­digen! Heute wer­den Grä­ber zu­neh­mend schlich­ter ein­ge­rich­tet. Das soll auch für die­sen Kom­men­tar gel­ten.

Grabstein des Monats

März 2016

 

Viele Fried­hofs­be­sucher, die sich mo­der­ne Fried­hofs­areale etwas auf­merk­samer an­schauen, über­rascht es, an den Ruhe­stät­ten er­wach­sener, mit­un­ter hoch­be­tagt Ver­stor­be­ner auf Bil­der, Sym­bole und Fi­gu­ren zu tref­fen, die ge­mein­hin mit der Kind­heit und Jugend asso­ziiert sind.

So auch in die­sem Fall, wo ein Ted­dy­bär – ver­mut­lich ein ganz spe­ziel­les Fabri­kat – das Grab einer beinahe 65-Jäh­ri­gen ziert. Wäh­rend in solchen Fäl­len stets die Mög­lich­keit gege­ben ist, dass zwi­schen der ver­stor­be­nen Per­son und ihrem Grab­motiv ein be­ruf­licher Zu­sam­men­hang be­stand, darf wohl in den mei­sten Fäl­len eher da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass mit dem Lebens­ende ein Rück­blick an den Lebens­an­fang her­ge­stellt wird.

Der Ted­dy­bär fun­giert nicht nur als Sym­bol der Kind­heit, son­dern steht auch für eine Lebens­phase, in der man sich ge­bor­gen wäh­nen durf­te, in der ge­sell­schaft­liche Zwänge kaum zu spü­ren waren und in der Welt ein großes Aben­teuer zu sein schien, das jeden Tag ein wenig ge­nauer durch­leuch­tet wird. Mit wach­sen­dem Alter ent­fer­nen Men­schen sich von dieser Hal­tung. Manche er­in­nern sich spä­ter ger­ne dieser Zeit und sprechen da­rüber – und An­ge­höri­ge, die zu­hören, kön­nen da­raus ab­lesen, wie sich ein Le­bens­lauf am Grab­stein sym­bo­lisch schlie­ßen lässt.

Grabstein des Monats

Februar 2016

 

Alaaf und He­lau! Ob Fasching, Fast­nacht oder Kar­ne­val: auch auf dem Fried­hof sind die Jecken los. Büt­ten­rede statt Trauer­rede, und Ka­mel­le statt Blu­men? An­ge­sichts so man­cher Ge­stal­tungs­idee könn­te man es zu­min­dest mei­nen. Denn hier trifft man mitt­ler­weile im­mer häu­fi­ger auch auf solche Ele­men­te, die wäh­rend der fünf­ten Jah­res­zeit nicht feh­len dür­fen. Die Nar­ren­kap­pe gilt da­bei als ein be­lieb­tes Sinn­bild, das für eine Pas­sion, eine Be­ru­fung, eine Cha­rak­ter­eigen­schaft oder auch für eine Le­bens­ein­stel­lung ste­hen kann. Un­ser Grab­stein des Mo­nats be­rich­tet vom bun­ten Trei­ben, das offen­bar nicht nur das Le­ben be­stimmt hat – und er zeigt, dass selbst nach dem Tod kein Ascher­mitt­woch sein muss. Ein­mal mehr wird deut­lich, wie viel­fältig der zeit­ge­nös­si­sche Um­gang mit Ver­lust und Er­in­ne­rung aus­fällt. Und oft be­deu­tet das auch: Der Hu­mor en­det nicht vor dem Fried­hof­stor!

Grabstein des Monats

Januar 2016

 

Zu den tra­di­tio­nel­len Grab­stein­sym­bo­li­ken, die im deutsch­sprachi­gen Raum seit Jahr­hun­der­ten auf dem Fried­hof ge­fun­den wer­den kön­nen, ge­sel­len sich zu­neh­mend Zeichen, Schrif­ten und kal­li­gra­fische Ele­men­te, die offen­kun­dig wenig bzw. nichts mit klas­si­scher Be­stat­tungs­kul­tur zu tun haben.

Ein solches Bei­spiel zeigt unser Grab­stein des Monats: Die drei­dimen­sio­nal dar­ge­stellte Pyra­mide ist ein durch­aus be­deu­tungs­vol­les, kul­tur­his­to­risch sehr altes Sym­bol, das im Zu­sam­men­hang mit der ägyp­ti­schen Pha­rao­nen­kul­tur sogar recht deut­lich als Re­fe­renz auf Le­bens­ende und Be­gräb­nis in­ter­pre­tiert wer­den kann. Und doch geht es nicht um An­jo­tef oder Ram­ses, son­dern um Hans-Udo, der hier seine letzte Ruhe­stätte ge­fun­den hat, und der mit der Pyra­mi­den­skizze offen­bar mehr zu asso­ziieren wusste, als sein Grab auf den ersten Blick preis­gibt.

Grabstein des Monats

Dezember 2015

 

Unser Grab­stein des Monats weist eine ge­wis­se Mehr­deu­tig­keit auf: Ver­mut­lich steht das ein­gra­vier­te Bild für einen Beruf, dem der Ver­stor­bene zu Leb­zei­ten nach­ge­gan­gen ist. Aber nicht nur auf dem Fried­hof, vor der Haus­tür oder auf Dächern dürf­ten einem Schorn­stein­feger in den näch­sten Tagen häu­fi­ger be­geg­nen. Schließ­lich zäh­len sie zu den welt­weit be­kann­tes­ten Glücks­boten für das neue Jahr. Dieser schon seit dem 16. Jahr­hun­dert ver­brei­tete Volks­glaube hat seine Ur­sprün­ge in der Zeit des Mit­tel­alters, als Schorn­stein­feger die damals noch leicht ent­flamm­baren Häu­ser vor Brän­den schütz­ten. Ihr Auf­tritt auf dem Fried­hof hat daher nicht nur einen le­bens­welt­lichen Bezug, son­dern kann zu­gleich als Aus­druck von Zu­ver­sicht ver­stan­den wer­den.

Grabstein des Monats

November 2015

 

Ab­schlag! Golf und grü­ner Rasen – das passt zu vie­len Fried­hofs­area­len. Kein Wun­der, dass mancher pas­sio­nier­te Gol­fer sich mut­maß­lich wohl fühlt, wenn er auf ewig ruht – ob­wohl die typi­schen Hin­der­nis­se und Ziel­fel­der leider feh­len. Be­mer­kens­wert ist an dem vor­lie­gen­den Bei­spiel, dass es die Band­breite mög­licher Be­zugs­di­men­sio­nen zeigt: Gol­fer und Golf­schlä­ger sind als Kör­per­sil­hou­ette nur an­ge­deu­tet. Häu­fi­ger kom­men in Stein ge­meißel­te Golf-­Uten­si­lien vor, und selbst den in die Grab­stät­te ein­ge­las­se­nen Put­ter oder den ab­ge­leg­ten Golf­ball kann man hin und wie­der fin­den, wenn man auf Fried­höfen die Augen offen hält. Das Han­di­cap mag in die­sem Zu­sam­men­hang zwar der Tod sein, und doch wird deut­lich auf eine sehr ‚le­ben­dige‘ Ak­ti­vi­tät ver­wie­sen. Wie­de­rum wird der Jen­seits­blick er­setzt durch den Rück­blick auf die Le­bens­welt.

Grabstein des Monats

Oktober 2015


Das Haus­tier auf einem Fried­hof zu be­gra­ben, ist mitt­ler­weile kein un­ge­wöhn­liches An­sin­nen mehr. Die wach­sen­de Zahl der Tier­ne­kro­po­len in den ver­gan­genen Jah­ren ver­weist auf einen Be­deu­tungs­wan­del des Heim­tie­res: es wird heut­zu­tage oft als »Fa­mi­lien­mit­glied« wahr­ge­nom­men, ge­liebt – und be­trauert. Zahl­reiche Tier­grab­stät­ten zeu­gen vom emo­tio­na­len Stel­len­wert, den der ani­ma­li­sche Ge­fähr­te zu Leb­zei­ten be­saß und post mor­tem offen­bar im­mer noch in­ne hat. Wie das Grab von »Bubi« de­mon­striert, wird die Ehre einer ei­ge­nen Ruhe­stät­te nicht nur den be­lieb­ten Vier­bei­nern (Hund und Katze) zu­teil, son­dern zu­wei­len auch den ge­fie­der­ten Freun­den. Sie hin­ter­las­sen nicht nur einen leeren Käfig, son­dern auch eine Lücke im Le­ben ihrer Hal­ter – die sich selbst in­des weni­ger als »Be­sit­zer«, denn als so­zia­le Be­zugs­per­son de­fi­nie­ren.

Grabstein des Monats

September 2015


Fische gel­ten zwar tra­di­tio­nell als Sym­bo­le für den christ­lichen Glau­ben. Es darf je­doch be­zwei­felt wer­den, dass die­ses Exem­plar für einen re­li­giö­sen Be­zug steht. Viel­mehr stellt uns die­ser präch­tige Be­woh­ner der Ge­wäs­ser vor die Frage, was Eli­sa­beth S. damit bin­nen der 91 Jahre ihres Le­bens zu ver­bin­den wuss­te? War sie pas­sio­nie­rte Ang­le­rin? Be­rei­tete sie solche Tiere gerne für Mahl­zei­ten zu? Hat sie sie ge­züch­tet? Oder steckt da­hin­ter doch mehr, als der erste An­blick der Grab­plat­te am Ko­lum­ba­rium offen­bart? Wie so oft, sol­len wir es auch in die­sem Fall nicht genau wis­sen.

Grabstein des Monats

August 2015


Mil­lio­nen Men­schen at­men auf! Denn im Au­gust rollt das runde Le­der end­lich wieder über den grü­nen Bun­des­liga-­Ra­sen. Auch wenn man es viel­leicht nicht auf An­hieb er­war­tet, ist es bis zum grü­nen Fried­hofs-­Ra­sen nicht weit: Ne­ben so ge­nann­ten »Fan­fried­hö­fen«, die op­tisch an ein Sta­dion er­in­nern, sind auf vielen Grab­stei­nen Fuß­bäl­le und die Em­ble­me be­kann­ter (und auch we­ni­ger be­kann­ter) Mann­schaf­ten zu be­ob­ach­ten. Von der Cham­pions-­Lea­gue bis zur Kreis­klas­se reicht die­ses bun­te Sam­mel­su­rium. Lieb­lings­ver­eine bie­ten Mög­lich­kei­ten zur Iden­ti­fi­ka­tion; man ju­belt mit ihnen in gu­ten Zei­ten, und lei­det mit ihnen in we­ni­ger er­folg­reichen Ta­gen. Un­ser Grab­stein des Mo­nats ist nicht nur ein her­vor­ra­gen­des Bei­spiel für die Ko­exis­tenz von sa­kra­len und welt­lichen Be­zü­gen – ne­ben­bei bringt die­se Kon­stel­la­tion auch die ak­tuel­le Si­tua­tion des FC Schal­ke auf den Punkt.

Grabstein des Monats

Juli 2015


Das Oval ist die tra­di­tio­nel­le Ein­rah­mung von Grab­stein­bild­nis­sen und war in dieser Funk­tion schon im 19. Jahr­hun­dert auf Fried­höfen zu fin­den. Nach einer län­ge­ren, his­to­risch be­ding­ten Un­ter­brechung feiern Grab­stein­fotos erst seit den 1990er Jah­ren wie­der eine Re­nais­sance auf bun­des­deut­schen Be­stat­tungs­area­len. An­stel­le des typi­schen Por­träts wer­den die Ovale dabei zu­neh­mend für die Dar­stel­lung ge­lieb­ter Mit­men­schen, Din­ge oder so­gar Haus­tiere ver­wen­det.

Hier sehen wir ein solches Bei­spiel: Nicht »Romeo«, der ge­lieb­te Kater, liegt hier be­gra­ben, son­dern sein Frau­chen. Der Grab­stein be­fin­det sich also nicht auf einem Tier­fried­hof, son­dern auf einem für Men­schen ge­dach­ten Got­tes­acker. Gleich­wohl macht die Plat­zie­rung der Fo­to­gra­fie deut­lich, was ge­sagt wer­den soll: Noch im Tode soll »Romeo« in der Nähe sein. Gut mög­lich, dass das Tier, des­sen Ant­litz nun ein Grab ziert, selbst noch quick­leben­dig ist.

Grabstein des Monats

Juni 2015


Im All­tags­le­ben wer­den Men­schen vor allem an­hand ihrer Ge­sich­ter adres­siert und (wieder-)­er­kannt. Nicht um­sonst haben Ge­sich­ter in der west­lichen Ge­denk­kul­tur seit lan­ger Zeit einen fes­ten Platz, wie bei­spiels­wei­se Ge­mäl­de, Fo­to­gra­fien oder auch To­ten­mas­ken be­le­gen. Folg­lich dürf­te es auch das Ge­sicht sein, das einem als ers­tes vor dem in­ne­ren Auge er­scheint, wenn man sich an einen ver­stor­be­nen Na­he­ste­hen­den erin­nert. Lässt man seinen Blick über die Grä­ber­rei­hen des Fried­ho­fes schwei­fen, be­geg­nen einem häu­fig Ge­sich­ter. Ne­ben dem Ant­litz des Ge­kreu­zig­ten oder der Jung­frau Ma­ria feh­len Fo­tos, Gra­vu­ren oder Sta­tuen der Ver­stor­be­nen mitt­ler­wei­le auf kaum einem To­ten­acker. An­ge­sichts der zu­neh­men­den Per­so­na­li­sie­rung und In­di­vi­dua­li­sie­rung von Grab­stät­ten ver­wun­dert das nicht. In­dem der Grab­stein buch­stäb­lich ein Ge­sicht be­kommt, ver­rät er sei­nem Be­trach­ter etwas da­rüber, wer (und wie) der Ver­stor­be­ne für »seine« Hin­ter­blie­be­nen ge­we­sen ist. Just an je­nem Ort, an dem der Leich­nam bei­ge­setzt und da­mit zum Ver­schwin­den ge­bracht wur­de, kann man dem Ver­stor­be­nen durch sein Ab­bild in die Au­gen schauen.

Grabstein des Monats

Mai 2015

 

Der Ge­burts­ort ist zwar ohne Zwei­fel kei­ne in­di­vi­duel­le Leis­tung, die einem Men­schen nach dem En­de sei­nes Le­bens zu­ge­schrie­ben wer­den kann: Wann, wo und un­ter wel­chen Um­stän­den das Le­ben be­ginnt, kann nie­mand selbst steu­ern. An­ders sieht es aller­dings aus, wenn man sich be­wusst mit einer Stadt in Ver­bin­dung bringt und da­durch auf eine spe­zi­fi­sche Men­ta­li­tät, auf eine Hal­tung, viel­leicht so­gar auf einen be­stimm­ten Dia­lekt ver­weist. Ent­sprech­ende Brücken zwi­schen Per­son und Ort wer­den auf zeit­ge­nös­si­schen Fried­hö­fen gar nicht so selten ge­schla­gen, wie un­ser Grab­stein des Mo­nats stell­ver­tre­tend un­ter Be­weis stellt. Hier ruht »ne Köl­sche Jung«, der sicher­lich noch wei­te­re so­zia­le Rol­len ge­spielt hat und nicht al­lein Köl­ner war. Aber die Ver­bin­dung zur Dom­stadt war ihm selbst (oder sei­nen Hin­ter­blie­be­nen) wich­tig ge­nug, um sie über den Tod hin­aus zu be­wah­ren.

Grabstein des Monats

April 2015

 

Der Früh­ling steht vor der Tür! Da­mit be­ginnt die Zeit, in der vie­le Men­schen ihre Fahr­rä­der wie­der aus dem Schup­pen ho­len, sich auf den Sat­tel schwin­gen und kräf­tig in die Pe­da­le tre­ten. Schließ­lich ist der Draht­esel häu­fig nicht nur bloßes Fort­be­we­gungs­mit­tel, son­dern ge­hört zu den be­lieb­tes­ten Frei­zeit­ge­gen­stän­den für Jung und Alt. Zwar füh­ren die Rad­wege (noch?) nicht über den To­ten­acker – als le­bens­welt­liches Sym­bol für Frei­zeit­be­schäf­ti­gung, Wett­kampf, Ziel­an­kunft etc. hat das Fahr­rad mit­samt sei­nem Zu­be­hör den­noch längst die mo­der­nen Grab­stei­ne er­reicht. Die Va­ria­tio­nen­viel­falt ist be­ein­druckend, und man könn­te fast mei­nen, dass zu­min­dest an die­sem Ort das Rad im­mer wie­der neu er­fun­den wird: Vom Renn­rad über Moun­tain­bike und BMX bis hin zu Tan­dem und Drei­rad lässt sich auf den Fried­höfen von heute mitt­ler­we­ile al­les fin­den, was Rad­ler­her­zen höher schla­gen lässt.

Grabstein des Monats

März 2015

 

Mit dem Tod wird bil­der­sprach­lich die Rei­se in eine an­de­re Welt an­ge­tre­ten. Al­ter­na­ti­ve Wirk­lich­kei­ten las­sen sich aber schon im Dies­seits fin­den, und für vie­le Men­schen ist die Be­geg­nung mit frem­den Kul­tu­ren in fer­nen Län­dern eine reiz­vol­le Her­aus­for­de­rung. Un­ser Grab­stein des Mo­nats prä­sen­tiert zum einen das Mo­tor­rad als sym­bo­li­sches In­stru­ment des Ver­rei­sens und Vor­an­kom­mens und zum zwei­ten Af­ri­ka als wohl nicht nur sinn­bild­lichen, son­dern in die­sem Fall of­fen­bar ganz kon­kre­ten Sehn­suchts­ort: in der Gra­vur ist Ka­me­run her­vor­ge­ho­ben. Kon­trastiert we­rden bei­de bild­haf­ten Dar­stel­lun­gen durch eine heu­te eher sel­te­ne In­schrift­art - einen bib­li­schen Psalm.

Grabstein des Monats

Februar 2015

 

Hob­bys und Lei­den­schaf­ten zäh­len zu den häu­fig­sten Mo­ti­ven mo­der­ner Grab­stei­ne. Das ist nicht ver­wun­der­lich, wird doch die letz­te Ru­he­stät­te im­mer stär­ker im Sin­ne eines Rück­blicks auf eine in­di­vi­duel­le Le­bens­welt eingerichtet. Ge­lieb­te Frei­zeit­be­schäf­ti­gun­gen sind dazu ge­eig­net, denn sie wer­den oft ein Le­ben lang an ver­folgt bzw. ge­schätzt. Außer­dem kön­nen sie am Grab meist durch ein­fache Sym­bole aus­ge­drückt wer­den, die we­nig Platz und in der Re­gel kei­ner wei­te­ren Er­läu­te­rung be­dürfen. So­fort weiß je­der, was ge­sagt wer­den soll, wenn etwa ein Fuß­ball, eine Trom­pe­te oder ein Fahr­rad die Grab­stät­te ziert.
An­ders in die­sem Fall: Dass es sich bei »DL2SDU« nicht um eine Ge­heim­sprache han­delt, son­dern um einen Co­de­na­men im Hob­by­sprech­funk, dem der Ver­stor­be­ne frü­her of­fen­bar pas­sio­niert nach­ging, dürf­te nur von »Ken­nern« auf An­hieb ent­schlüs­selt wer­den.

Grabstein des Monats

Januar 2015

 

Wäh­rend Neu­grün­dun­gen von re­gu­lä­ren Fried­hö­fen in Deutsch­land mitt­ler­wei­le zur Sel­ten­heit ge­wor­den sind, flo­rie­ren Tier­fried­höfe um­so mehr. Dies ist nur eines von meh­re­ren In­di­zien, die da­für sprechen, dass Haus­tie­ren auch im Be­stat­tungs­kon­text eine im­mer grö­ße­re Rol­le zu­kommt. Frau­chen und Herr­chen trauern heu­te offe­ner – und auch in­ves­ti­tions­freu­di­ger – um ihre ver­lo­re­nen Lieb­lin­ge, als je­mals zuvor.

Be­kannt­lich sind Tier­dar­stel­lun­gen aber auch auf Men­schen­fried­höfen sicht­bar; die­se Ver­wei­se sind am­bi­va­len­ter, be­zie­hen sie doch ne­ben den Haus- auch Nutz- und Sym­bol­tie­re mit ein.

Un­ser Grab­stein des Mo­nats tanzt in­so­fern aus der Reihe, als die häu­fig­sten Grab­stein­tie­re heu­te Kat­zen und Ele­fan­ten sind – wäh­rend die­ses Grab einen Vo­gel hat. Wir se­hen  einen ge­fie­der­ten Freund, der wo­mög­lich als Haus­tier Freu­de be­rei­tet hat und/­oder nun ein »Hin­ter­blie­be­ner« ist, der, auf der Kä­fig­stan­ge sit­zend, um die ver­stor­be­ne Per­son trauert. Deut­lich wird in je­dem Fall, dass die Mensch-­Tier-­Be­zie­hung in­ten­siv ge­nug war, um mit ins Grab­en­semb­le auf­ge­nom­men zu wer­den. Wäh­rend sonst al­len­falls ein mensch­licher Kon­ter­fei in den Stein gra­viert wird, ist es hier das »Ant­litz« eines ge­lieb­ten Vo­gels.

Grabstein des Monats

Dezember 2014

 

Schon lange fin­den sich auf Grä­bern ne­ben den nüch­ter­nen Le­bens­da­ten der Ver­stor­be­nen auch In­schrif­ten in Form von Sinn­sprü­chen. Tra­di­tio­nell han­delt es sich da­bei hier­zu­lan­de meist um Ver­se aus der Li­tur­gie. Im Schat­ten der In­di­vi­dua­li­sie­rung und der Plu­ra­li­sie­rung von Ab­schied, Trau­er und Ge­den­ken lässt sich aber mitt­ler­wei­le auch eine große Viel­falt von Grab­sprü­chen be­ob­ach­ten. Deren Ur­sprün­ge wur­zeln im­mer häu­fi­ger in sä­ku­la­ren Kon­tex­ten. Ne­ben pri­va­ten Poe­sien des Ver­stor­be­nen oder sei­ner An­ge­hö­ri­gen be­dient man sich somit im­mer häu­fi­ger auch be­kann­ter Zi­ta­te aus der Welt des Films und Fern­se­hens, aus Li­te­ra­tur und The­ater, aus Wis­sen­schaft und Po­li­tik, aus Ly­rik und all­täg­lichem Sprach­ge­brauch, oder – wie im vor­lie­gen­den Fall – aus der Mu­sik. Die­ser Grab­stein bricht auch in­so­fern mit ge­wohn­ten Kon­ven­tio­nen (und be­kräf­tigt da­mit einen wei­te­ren Trend), als er Nach­na­men und Le­bens­da­ten wie­de­rum ver­schweigt und die Ver­stor­bene so­mit nur noch für ihre An­ge­hö­ri­gen nä­her ›iden­ti­fi­zier­bar‹ bleibt.

Grabstein des Monats

November 2014

 

Grab­stei­ne wa­ren schon im­mer in­so­fern »per­so­na­li­siert«, als sie tra­di­tio­nell den Na­men und die Le­bens­da­ten der ver­stor­be­nen Per­son auf­wie­sen. Die­se Form der Ver­bin­dung von Er­in­ne­rungs­stät­te und sub­jek­ti­vem Le­bens­ver­lauf war al­ler­dings sehr »förm­lich« – außen­ste­hen­den Fried­hofs­be­sucher wur­de da­durch nichts von dem Cha­rak­ter und von den Ei­gen­hei­ten der oder des Be­er­dig­ten ver­ra­ten. Im Zu­ge der In­di­vi­dua­li­sie­rung machen die her­kömm­lichen »Grab­in­for­ma­tio­nen« seit ei­ni­ger Zeit zu­neh­mend sol­chen Grab­ge­stal­tun­gen Platz, die den Be­griff »Per­son« wort­wört­lich mit der Per­sön­lich­keit ver­bin­den. Auch da­bei kön­nen na­tür­lich nur ei­ni­ge Le­bens­as­pek­te prä­sen­tiert wer­den, und auch sie le­dig­lich in kom­pri­mier­ter Form.

Un­ser Grab­stein des Mo­nats zeigt ein sol­ches Bei­spiel: Der Ver­stor­be­ne ist hier nicht mit ei­nem Spitz­na­men auf­ge­führt – son­dern of­fen­bar gleich mit zwei! Sein Ge­müt war, das sol­len die Be­trach­ter er­fah­ren, son­nig, und sei­ne Lei­den­schaft ver­ra­ten die bei­den mu­si­ka­li­schen Sym­bo­le. Ver­mut­lich hat »Bul­ly« ger­ne Trom­pe­te und Gi­tar­re ge­spielt – und just die­se At­tri­bu­ten, Hob­by und Spitz­na­men, sind die »An­dock­stel­len« für Er­in­ne­rungs­lei­stun­gen an sei­nem Grab. Die Ver­sach­lich­ung des Le­bens am Grab weicht zu­neh­mend ei­ner in­di­vi­duel­len, durch­aus bun­ten, durch­aus ei­gen­wil­li­gen Bi­lanz.

Grabstein des Monats

Oktober 2014

 

Alles ist ver­gäng­lich! Aber wohl an kaum einem an­de­ren Ort wird einem die End­lich­keit des Le­bens dras­ti­scher vor Augen ge­führt als auf dem Fried­hof. Zu den typischen Va­ni­tas­sym­bo­len der Grab­male ge­hö­ren neben Kreu­zen, Ker­zen und Ro­sen auch Dar­stel­lun­gen von Uhren. Das Chro­no­me­ter gibt es in­zwi­schen in allen mög­lichen Va­rian­ten. Es ist nicht nur ein zen­tra­ler Takt­ge­ber der mo­der­nen Ge­sell­schaft, der das (Zu­sam­men-)­Le­ben struk­tu­riert; Uhren be­sit­zen zu­gleich einen sym­bo­lischen Ge­halt. Als Zei­chen des me­men­to mori sind sie häu­fig in den Stein gra­viert, zu­wei­len fin­det man so­gar echte Uhren als Ab­la­ge­ge­gen­stände am Grab. Im vor­lie­gen­den Fall wird das Zeit­mo­tiv zum einen durch das sil­ber­far­be­ne Pen­del einer Wand­uhr an­ge­deu­tet. Man wird bild­haft da­ran erin­nert, dass der Le­bens­lauf so­wohl mit ver­rin­nen­der Zeit, wie auch mit dem ge­ra­de­zu me­tro­nom­ar­ti­gen Rhyth­mus des Herz­schla­ges in Ver­bin­dung steht. Et­was kryp­tisch mu­tet zu­dem die In­schrift an – ein la­ko­ni­scher Aus­druck der Sehn­sucht nach mehr (ge­mein­sam ge­teil­ter) Le­bens­zeit…

Grabstein des Monats

September 2014

 

Zu­neh­mend lässt sich eine Ten­denz hin zur Ver­rät­se­lung von Grab­in­schrif­ten fest­stel­len. Dort, wo die Le­bens­wei­sen von Men­schen eher auf das en­ge­re so­zia­le Um­feld zu­ge­schnit­ten sind – an­statt, wie zu frü­he­ren Zei­ten und heute noch bei dörf­lichen Struk­tu­ren, auf ein grö­ße­res Ge­mein­schafts­we­sen –, ist der Kreis der »Ad­res­sa­ten« ge­rin­ger. Da­für sind die­je­ni­gen, die von einem Grab »be­trof­fen« sind, aber auch we­sent­lich nä­her mit der ver­stor­be­nen Per­son be­kannt ge­we­sen. Aus die­ser in­ti­men Kennt­nis er­gibt sich die Mög­lich­keit, An­deu­tun­gen, Sym­bo­le und an­de­re Ver­wei­se aus­zu­buch­sta­bie­ren, die folg­lich nur für aus­ge­wähl­te Fried­hofs­be­sucher einen greif­ba­ren Sinn er­ge­ben.

Un­ser Grab­stein des Mo­nats lie­fert eine ver­gleichs­wei­se tra­di­tio­nel­le Va­rian­te: Ne­ben die Le­bens­da­ten, eine äs­the­ti­sche Fi­gur und eine im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes herz­liche Dar­stel­lung des Be­zie­hungs­ver­hält­nis­ses ist durch einen Be­griff und einen Zah­len­code eine Be­deu­tungs­kon­stel­la­tion ge­rückt, die un­ein­ge­weih­te Be­trach­ter ab­sichts­voll vor ein Rät­sel stellt – wäh­rend In­si­der ge­nau wis­sen dürf­ten, was es mit »Sao 73868« auf sich hat.

Grabstein des Monats

August 2014

 

Au­gust heißt Som­mer­zeit. Und Som­mer­zeit heißt Rei­se­zeit! Für vie­le Men­schen ist das Flug­zeug ein be­lieb­tes Trans­port­mit­tel, wenn es in die lang er­sehn­ten Fe­rien geht. Hoch über den Wol­ken bringt sie das, wie es heißt, »sicher­ste Ver­kehrs­mit­tel der Welt« in kur­zer Zeit von A nach B. Dass das Flug­zeug aber nicht nur eine kom­for­tab­le Rei­se ga­ran­tiert, son­dern in vie­len ver­schie­de­nen Va­ria­tio­nen im­mer häu­fi­ger auch auf Grab­stei­nen lan­det, mag wohl in ers­ter Li­nie mit sei­nem Sym­bol­ge­halt zu tun ha­ben: Frei­heit, Un­ab­hän­gig­keit, Mo­bi­li­tät sind Kenn­zei­chen eines selbst­be­stimm­ten Le­bens in der mo­der­nen Ge­sell­schaft – und zugleich Begriffe, für die der Flug­ver­kehr steht. Außer­dem ge­ben sol­che Mo­ti­ve Ein­blicke in die Le­bens­welt de­rer, für die die Flie­ge­rei eine Lei­den­schaft ist. Und nicht zu­letzt kann der Flie­ger auch für tra­gi­sche Er­eig­nis­se ste­hen, etwa für einen To­des­fall durch Absturz.

Grabstein des Monats

Juli 2014

 

Die Trak­tor­fahrt gehört üb­licher­wei­se zum Be­rufs­all­tag; als Frei­zeit­be­schäf­ti­gung kommt sie wohl nur für we­ni­ge Men­schen in Fra­ge. Der Ar­beits­kon­text be­deu­tet aber nicht zwin­gend, dass die Auf­gabe un­per­sön­lich oder gar auf­ge­zwun­gen ist. Ge­ra­de der land­wirt­schaft­liche Be­reich taucht in Fried­hofs­wel­ten immer wie­der als Iden­ti­fi­ka­tions­merk­mal von Per­sön­lich­kei­ten auf. Der Le­bens­rück­blick deu­tet in sol­chen Fäl­len auf ein har­mo­ni­sches Ver­hält­nis von Per­son und Tä­tig­keit – so wie in die­sem Bei­spiel, in dem der (füh­rer­los ge­wor­de­ne) Trak­tor post mor­tem des Grab­feld um­pflü­gen darf. Er ist ein gu­tes Bei­spiel für »Grab­kul­tur« im wort­wört­lichen Sin­ne - denn cul­tu­ra be­deu­tet ur­sprüng­lich »Acker­bau«.

Grabstein des Monats

Juni 2014

 

Die Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Tier hat sich ver­än­dert – und so hat auch der Heim­tier­tod in den letz­ten cir­ca 20 Jahren an Be­deu­tung ge­won­nen. Das zeigt sich ins­be­son­dere am ra­san­ten An­stieg von Tier­be­stat­tun­gen und der Insta-llation von Tier­fried­hö­fen. Vie­le klas­si­sche und in­no­va­ti­ve Ele­men­te des Men­schen­fried­hofs wer­den auch auf dem Tier­fried­hof auf­ge­grif­fen - und bis­wei­len über­spitzt. Das ab­ge­bil­de­te Grab, und vie­le wei­te­re, machen deut­lich, dass die An­thro­po­mor­phi­sie­rung, also die Ver­mensch­lich­ung der ei­ge­nen Haus­tie­re, auch (und vor al­lem) post mor­tem eine Fort­set­zung fin­det.

Grabstein des Monats

Mai 2014

 

Christ­liche Sym­bole wie Kreuz, En­gels-, Ma­rien-, oder Je­sus­dar­stel­lun­gen be­kom­men auf Grä­bern heut­zu­ta­ge Kon­kur­renz von Zeichen, die nicht etwa auf Kol­lek­ti­vi­tät und Jen­seits­glau­be an­spie­len, son­dern eine per­sön­liche Bi­lanz eines in­di­vi­duel­len Le­ben sind. Sa­kra­les und Pro­fa­nes muss sich aber nicht un­be­dingt aus­schlie­ßen; manch­mal kann ein ein­zel­nes Grab­mo­tiv auch bei­des re­prä­sen­tie­ren. Der Köl­ner Dom ist ei­ner­seits ein »Got­tes­haus« und drückt an­de­rer­seits als Wahr­zeichen der Stadt Hei­mat­ver­bun­den­heit aus – das Sym­bol wird so zum Per­sön­lich­keits­merk­mal.

Grabstein des Monats
April 2014

 

Autos sind nicht nur als Ga­ran­ten der per­sön­lichen Mobi­li­tät von Be­deu­tung, son­dern auch als Sta­tus­sym­bole. Sie die­nen bei­spiels­wei­se dazu, eine spe­zi­fi­sche Le­bens­ein­stel­lung zum Aus­druck zu brin­gen, sig­na­li­sie­ren einen be­stimm­ten Wohl­stand, ver­wei­sen meta­pho­risch auf den Wert der per­sön­lichen Frei­heit oder de­mon­strie­ren die Reise­freu­dig­keit der Wa­gen­be­sit­zer. Die­se viel­fäl­tige An­schluss­fähig­keit er­öff­net Kraft­fahr­zeu­gen zu­neh­mend die Ein­fahrt auf den Fried­hof – sei es in Form von Fotos, ab­ge­leg­ten Num­mern­schil­dern, aus­ran­gier­ten Fahr­zeug­tei­len oder aber, wie hier zu sehen, als Mini­atur­nach­bil­dung des zu Leb­zei­ten gerne be­nutz­ten Wagen­mo­dells.

Grabstein des Monats
März 2014

 

Grab­stei­ne tra­di­tio­nel­ler Fried­höfe sahen sich lan­ge Zeit sehr ähn­lich und ver­sinn­bild­lich­ten da­mit nicht zu­letzt die Idee der Gleich­heit nach dem Tod. In Zei­ten der In­di­vi­dua­li­sie­rung tan­zen mo­der­ne Grä­ber je­doch ver­mehrt aus der Rei­he. Was Form und Far­be an­geht, trotzt auch das vor­lie­gen­de Bei­spiel den Kon­ven­tio­nen und stellt da­durch ein­mal mehr un­ter Be­weis: Der Fried­hof wird bunter. Im­mer häu­fi­ger brin­gen An­ge­hö­ri­ge ihre ei­ge­nen Ideen in die Grabge­stal­tung mit ein. Statt eines teu­ren Grab­steins wur­de hier ein Stück Holz ver­wen­det und in bun­ten Far­ben be­malt – zu­gleich eine Form der Trauer­ar­beit mit »ei­ge­nen Hän­den«.