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22. September 2017

»Autonomie der Trauer. Mo­ti­ve für und Er­fah­run­gen mit Be­stat­tungs­al­ter­na­ti­ven jen­seits in­sti­tu­tio­nel­ler Vor­ga­ben – am Bei­spiel der häus­lichen Ur­nen­auf­be­wah­rung und der Aschen­bei­set­zung außer­halb von Fried­hö­fen«

Bun­des­wei­tes em­pi­ri­sches For­schungs­pro­jekt, ge­för­dert durch Aeternitas e.V.

 

 


Projektskizze:

Das ge­sell­schaft­liche Ver­hält­nis zu Ster­ben und Tod be­fin­det sich in einem Wand­lungs­pro­zess. Neue For­men des Um­gangs mit dem Le­bens­en­de ent­ste­hen, tra­di­tio­nel­le Kon­zep­te er­hal­ten Kon­kur­renz. Zu den Ent­wick­lun­gen, die ak­tuell vorliegen und an Be­deu­tung zu­neh­men, zäh­len u.a. die Hos­piz­be­we­gung und die Pal­lia­tiv­me­di­zin, aber auch in­di­vi­dua­li­sier­te Be­stat­tun­gen, prag­ma­tisch er­schei­nen­de Ru­he­stät­ten, die Suche nach al­ter­na­ti­ven Aus­drucks­for­men und nicht zu­letzt In­no­va­tio­nen in der Er­in­ne­rungs­kul­tur, et­wa durch das In­ter­net bzw. ge­ne­rell durch ein sich ver­än­dern­des Ver­ständ­nis von der Idee des end­gül­ti­gen Ab­schied­neh­mens.

 

Ein Dis­kurs, der vie­le die­ser Ele­men­te in sich bün­delt und pro­ble­ma­ti­sier­bar macht, ist die zu­neh­men­de Ten­denz von Hin­ter­blie­be­nen, die Ur­nen mit der Asche ihrer ver­stor­be­nen An­ge­hö­ri­gen trotz des (in Deutschland) ge­setz­lich fest­ge­leg­ten Fried­hofs­zwangs an an­de­ren Or­ten, ins­be­son­de­re im ei­ge­nen Wohn­be­reich, auf­zu­be­wah­ren oder die Asche an lieb­ge­won­ne­nen bzw. sym­bo­lisch wich­ti­gen Plät­zen aus­zu­streu­en. Ob­wohl die­ses Han­deln laut deut­schem Recht prin­zi­piell il­le­gal ist, be­steht of­fen­bar eine große Nach­fra­ge, mit der sich mitt­ler­wei­le auch die Po­li­tik be­fasst (sie­he zu­letzt das Bei­spiel Bre­men). Bis­lang be­fin­det sich das Phä­no­men der »un­be­stat­te­ten Ur­ne« weit­ge­hend noch in einer Grau­zo­ne: Man weiß durch­aus, dass die Aschen nicht ord­nungs­ge­mäß beigesetzt wer­den und man kann mü­he­los auf Be­stat­ter und an­de­re Dienst­leis­ter tref­fen, die Hin­ter­blie­be­ne in dieser Hin­sicht un­ter­stüt­zen und We­ge auf­zei­gen. Das Rechts­sys­tem scheint po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen ab­zu­war­ten bzw. die Kon­fron­ta­tion mit der öf­fent­lichen Mei­nung zu scheu­en – und die Per­spek­ti­ve der Be­trof­fe­nen ist bei all dem weit­ge­hend aus­ge­blen­det.

 

Diese Er­kennt­nis­lücke soll das Pro­jekt »Au­to­no­mie der Trauer« be­sei­ti­gen hel­fen. Neben der (frag­los ge­wich­ti­gen) ju­ris­ti­schen Fra­ge ste­hen hin­sicht­lich der Pri­vat­auf­be­wah­rung von Ur­nen, bzw. de­ren fried­hofs­fer­nen Bei­set­zung, näm­lich auch ethi­sche, theo­lo­gi­sche, psy­cho­lo­gi­sche, öko­no­mi­sche und so­zia­le Mo­ti­ve. Was bringt Men­schen da­zu, sich im Kon­text des To­des ei­ner ge­lieb­ten Per­son ei­ner il­le­ga­len Pra­xis zu be­die­nen? Wur­den die da­mit ein­her­ge­hen­den Er­war­tun­gen er­füllt? Was ver­spre­chen sie sich von den sich ab­zeich­nen­den Ver­än­de­run­gen in Deutsch­land? Wie ge­hen sie in ihrem so­zia­len Um­feld mit den Be­gleit­er­schei­nun­gen ihrer Ent­schei­dung um, die Nor­ma­ti­vi­tät der Be­stat­tungs­re­geln zu un­ter­gra­ben? Wie häu­fig wird die­se Pra­xis ge­wünscht, und welche In­for­ma­tions­vor­sprün­ge bzw. –de­si­de­ra­te ver­bin­den sich da­mit? Welche Wün­sche bzgl. der Be­stat­tungs­kul­tur kom­men da­rin zum Aus­druck, und welche Schluss­fol­ge­run­gen las­sen sich für Prak­ti­ker, aber auch für Ent­schei­der und für künf­ti­ge Be­trof­fe­ne da­raus zie­hen?

 

Die­sen und wei­te­ren Fra­gen geht das em­pi­ri­sche For­schungs­pro­jekt nach. Me­tho­do­lo­gisch baut es auf dem Prin­zip der em­pi­ri­schen So­zial­for­schung auf. Be­trof­fe­ne im ge­sam­ten Bun­des­ge­biet wer­den un­ter Be­din­gun­gen der Ano­ny­mi­sie­rung in nar­ra­tiv-qua­li­ta­ti­ven In­ter­views über die Hin­ter­grün­de ihrer Ent­schei­dun­gen be­fragt. Fer­ner wer­den so­zio­de­mo­gra­fische Da­ten er­ho­ben und auf ihre Kor­re­la­tio­nen hin über­prüft. In­no­va­tions­kraft ent­fal­ten die­se For­schun­gen ins­be­son­de­re da­durch, dass Men­schen nicht hin­sicht­lich fik­ti­ver zu­künf­ti­ger Pla­nun­gen be­fragt wer­den, son­dern tat­säch­lich um­ge­setz­te Ent­schei­dun­gen und kon­krete Er­fahr­un­gen im Zen­trum der wis­sen­schaft­lichen Re­kon­struk­tion ste­hen.

 

Das Pro­jekt ist in­ter­dis­zi­pli­när aus­ge­rich­tet und ver­bin­det So­zio­lo­gie, Ethik, Kom­mu­ni­ka­tions- und Kul­tur­wis­sen­schaft. Als  gemeinsames Projekt von  Dr. Thor­sten Ben­kel, Dr. Dr. Dirk Preuß und Matt­hias Meitz­ler, M.A. fin­det es im For­schungs­ver­bund mit wei­te­ren Kol­le­gen an ver­schie­de­nen deut­schen Uni­ver­si­tä­ten statt.